Grundlagen + Verarbeitungshinweise:Vakuuminfusion: Unterschied zwischen den Versionen

Aus R&G Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 1: Zeile 1:
 
__TOC__  
 
__TOC__  
  
== Was ist der Unterschied zwischen emulsions- und pulvergebundenen Glasmatten?<br> ==
+
== Vakuuminfusionsverfahren am Beispiel einer Motorhaube ==
  
Bei der Herstellung werden die Einzelfäden chemisch durch eine wässrige Emulsion oder einen Pulver-Binder zu einem flächigen Gebilde, der emulsionsgebundenen bzw. pulvergebundenen Matte, zusammengeklebt.Im Bootsbau werden die Harze nur mit pulvergebundenen<br>Matten verstärkt. Emulsionsgebundene Matten können mit die Ursache für Blasen in der Feinschicht sein. In Verbindung mit dem Polyesterharz U 569 TV-01V ergeben sich für den Bootsbau zugelassene Laminate.<br>(Zulassung: Det Norske Veritas und Lloyd´s Register)
+
(Prototypenbau für einen Serienhersteller)
 +
 
 +
Bei allen nachfolgenden Schritten werden die Verstärkungsgewebe '''trocken''' eingelegt. Damit sich die Lagen nicht untereinander verschieben, werden sie mit Sprühkleber Aerofix 2 (R&amp;G&nbsp;Lieferprogramm) schwach verklebt. Aerofix 2 ist ein Klebespray auf Styren-Basis, das speziell für das Verbinden von leichten und mittelschweren, insbesondere faserverstärkten Materialien wie Glas- und Kohlefasern, aber auch von Schaumplatten (z.B. Depron®) und leichten Holzarten (z.B. Balsaholz) entwickelt wurde. Aerofix 2 ist transparent, hinterlässt keine sichtbaren Spuren und lässt sich schnell auf große Flächen auftragen.  
 +
 
 +
===== Verwendete Materialien<br> =====
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
*UP-Vorgelat farblos + Härter MEKP&nbsp;<br>
 +
*Epoxydharz L + Härter EPH&nbsp;294<br>
 +
*Kohlegewebe 245 g/m<sup>2</sup>, Kohle-Biaxialgelege 411 g/m<sup>2</sup><br>
 +
 
 +
===== Hilfsmittel für Vakuumtechnik  =====
 +
 
 +
*R&amp;G Vakuumpumpe P 2
 +
*Vakuumfolie
 +
*Vakuum-Dichtband
 +
*Aerofix 2-Spray
 +
*Abreißgewebe<br>
 +
*Entlüftungsnetz<br>
 +
*Lochfolie P1 <br>
 +
*Spiral-Plastikschlauch<br>
 +
*T-Verbinder<br><br>
 +
 
 +
===== Verarbeitungsschritte<br> =====
 +
 
 +
1 [[Image:Infusion1.jpg]]&nbsp;&nbsp; 2 [[Image:Infusion2.jpg]]
 +
 
 +
Bild 1 und 2:&nbsp; Auf das über Nacht gehärtete UP-Vorgelat wurden die Gewebe-/Gelegelagen mittels Aerofix 2 in die Form trocken aufgeklebt.&nbsp;
 +
 
 +
Die Sicken wurden entsprechend eingeschnitten und separat mit Gewebe belegt<br>
  
 
<br>  
 
<br>  
 +
 +
3 [[Image:Infusion3.jpg]] 4 &nbsp; [[Image:Infusion4.jpg]]
 +
 +
Bild 3 und 4:&nbsp;"Aufkleben" weiterer Lagen Kohlefaser-Biaxialgelegemit Aerofix 2 <br>
  
 
<br>  
 
<br>  
  
== Welche Festigkeitswerte werden für die Zulassung vom Germanischen Lloyd (GL) gefordert?<br> ==
+
5 [[Image:Infusion5.jpg]]&nbsp; 6&nbsp; [[Image:Infusion6.jpg]]
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
Bild 5 und 6: Auf den Gewebeaufbau wurde ein zusätzliches Abreißgewebe mit Aerofix 2 aufgeklebt<br>
  
Folgende Werte sind die Mindestkennwerte für ein Epoxidharzsystem bei einer GL - Zulassung:<br>  
+
Am Rand ist der mittels Dichtband fixierte Spiralschlauch zu sehen<br>
  
 
<br>  
 
<br>  
  
{| width="270" cellspacing="1" cellpadding="1" border="1" align="left" style=""
+
7 [[Image:Infusion7.jpg]]&nbsp; 8&nbsp; [[Image:Infusion8.jpg]]
|-
+
 
| Zugfestigkeit<br>  
+
<br>
| 55 N/mm”<br>
+
 
|-
+
Bild 7: Die Verschaltung des Spiralschlauchs erfolgte mit einem T-Verbinder, auf den kurze Stücke Pumpenschlauch aufgesteckt wurden. <br>
| Bruchdehnung<br>  
+
 
| 2,5&nbsp;%<br>
+
Diese passen genau in in den Spiralschlauch und sorgen für eine gute Luftleitung<br>
|-
+
 
| E - Modul (Zug)<br>  
+
<br>
| 2700 N/mm”<br>
+
 
|-
+
Bild 8: Die gesamte Nutzfläche ist mit Abreißgewebe versehen. Die Sicken wurden wieder entsprechend eingeschnitten und zusätzlich belegt<br>
| Biegefestigkeit<br>  
+
 
| 100 N/mm”<br>
+
<br>
|-
+
 
| Wärmeformbeständigkeit<br>  
+
9 [[Image:Infusion9.jpg|250x188px]]&nbsp;&nbsp; 10 [[Image:Infusion10.jpg]]
| 70 °C<br>
+
 
|-
+
Bild 9: Abreißgewebe wird bis zum Spiralschlauch gelegt<br>
| Wasseraufnahme 24h/168h<br>  
+
 
| -/ 50 mg <br>
+
<br>
|}
+
 
 +
Bild 10: Lochfolie wird auf die komplette Nutzfläche aufgebracht<br>
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
11 [[Image:Infusion11.jpg]]&nbsp; 12&nbsp; [[Image:Infusion12.jpg]]
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
Bild 11: Im Bereich der Sicken wurde die Lochfolie eingeschnitten <br>
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
Bild 12: Entlüftungnetz zur Harzverteilung wurde eingelegt <br>
 +
 
 +
<br>  
 +
 
 +
13 [[Image:Infusion13.jpg]]&nbsp; 14&nbsp; [[Image:Infusion14.jpg]]
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
Bild 13: Im Bereich der Sicken wurde die Entlüftungsnetz eingeschnitten <br>
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
Bild 14: Das Entlüftungsnetz endet kurz vor der Vakuum-Ringleitung aus Spiralschlauch<br>
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
15 [[Image:Infusion15.jpg]]&nbsp; 16&nbsp; [[Image:Infusion17.jpg]]
 +
 
 +
Bild 15: Die Vakuumfolie schließt die Form am Rand bündig ab<br>
 +
 
 +
Bild 16: <br>
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
<br>  
 +
 
 +
17 [[Image:Infusion18.jpg]] 18 &nbsp; [[Image:Infusion19.jpg]]
 +
 
 +
Bild 17 und 18: Die Vakuumfolie wird mehrfach in Falten am Formenrand befestigt, um keine Überspannung im Bereich der Nutzfläche zu erhalten<br>
 +
 
 +
<br>  
 +
 
 +
19 [[Image:Infusion20.jpg]] 20 &nbsp; [[Image:Infusion21.jpg]]
 +
 
 +
 
 +
 
 +
Bild 19 und 20: Ein Mesh-Tube in der Bauteilmitte dient als Harzverteiler
 +
 
 +
<br>  
 +
 
 +
21 [[Image:Infusion22.jpg]] 22 &nbsp; [[Image:Infusion23.jpg]]
 +
 
 +
Bild 21:&nbsp;Harz- und Vakuumleitung <br>
 +
 
 +
Bild 22: Die Fließfront verteilt sich der Bauteilgeometrie entsprechend kreisförmig nach aussen<br>
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
23 [[Image:Infusion24.jpg]]&nbsp; 24&nbsp; [[Image:Infusion25.jpg]]
 +
 
 +
<br>
 +
 
 +
Bild 23: Die Fließfront ist am Randbereich angekommen<br>
  
<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;
+
Bild 24: Das Bauteil ist fast vollständig gefüllt <br>
  
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;

Version vom 10. März 2010, 12:34 Uhr

Vakuuminfusionsverfahren am Beispiel einer Motorhaube

(Prototypenbau für einen Serienhersteller)

Bei allen nachfolgenden Schritten werden die Verstärkungsgewebe trocken eingelegt. Damit sich die Lagen nicht untereinander verschieben, werden sie mit Sprühkleber Aerofix 2 (R&G Lieferprogramm) schwach verklebt. Aerofix 2 ist ein Klebespray auf Styren-Basis, das speziell für das Verbinden von leichten und mittelschweren, insbesondere faserverstärkten Materialien wie Glas- und Kohlefasern, aber auch von Schaumplatten (z.B. Depron®) und leichten Holzarten (z.B. Balsaholz) entwickelt wurde. Aerofix 2 ist transparent, hinterlässt keine sichtbaren Spuren und lässt sich schnell auf große Flächen auftragen.

Verwendete Materialien


  • UP-Vorgelat farblos + Härter MEKP 
  • Epoxydharz L + Härter EPH 294
  • Kohlegewebe 245 g/m2, Kohle-Biaxialgelege 411 g/m2
Hilfsmittel für Vakuumtechnik
  • R&G Vakuumpumpe P 2
  • Vakuumfolie
  • Vakuum-Dichtband
  • Aerofix 2-Spray
  • Abreißgewebe
  • Entlüftungsnetz
  • Lochfolie P1
  • Spiral-Plastikschlauch
  • T-Verbinder

Verarbeitungsschritte

1 Infusion1.jpg   2 Infusion2.jpg

Bild 1 und 2:  Auf das über Nacht gehärtete UP-Vorgelat wurden die Gewebe-/Gelegelagen mittels Aerofix 2 in die Form trocken aufgeklebt. 

Die Sicken wurden entsprechend eingeschnitten und separat mit Gewebe belegt


3 Infusion3.jpg 4   Infusion4.jpg

Bild 3 und 4: "Aufkleben" weiterer Lagen Kohlefaser-Biaxialgelegemit Aerofix 2


5 Infusion5.jpg  6  Infusion6.jpg


Bild 5 und 6: Auf den Gewebeaufbau wurde ein zusätzliches Abreißgewebe mit Aerofix 2 aufgeklebt

Am Rand ist der mittels Dichtband fixierte Spiralschlauch zu sehen


7 Infusion7.jpg  8  Infusion8.jpg


Bild 7: Die Verschaltung des Spiralschlauchs erfolgte mit einem T-Verbinder, auf den kurze Stücke Pumpenschlauch aufgesteckt wurden.

Diese passen genau in in den Spiralschlauch und sorgen für eine gute Luftleitung


Bild 8: Die gesamte Nutzfläche ist mit Abreißgewebe versehen. Die Sicken wurden wieder entsprechend eingeschnitten und zusätzlich belegt


9 Infusion9.jpg   10 Infusion10.jpg

Bild 9: Abreißgewebe wird bis zum Spiralschlauch gelegt


Bild 10: Lochfolie wird auf die komplette Nutzfläche aufgebracht


11 Infusion11.jpg  12  Infusion12.jpg


Bild 11: Im Bereich der Sicken wurde die Lochfolie eingeschnitten


Bild 12: Entlüftungnetz zur Harzverteilung wurde eingelegt


13 Infusion13.jpg  14  Infusion14.jpg


Bild 13: Im Bereich der Sicken wurde die Entlüftungsnetz eingeschnitten


Bild 14: Das Entlüftungsnetz endet kurz vor der Vakuum-Ringleitung aus Spiralschlauch


15 Infusion15.jpg  16  Infusion17.jpg

Bild 15: Die Vakuumfolie schließt die Form am Rand bündig ab

Bild 16:



17 Infusion18.jpg 18   Infusion19.jpg

Bild 17 und 18: Die Vakuumfolie wird mehrfach in Falten am Formenrand befestigt, um keine Überspannung im Bereich der Nutzfläche zu erhalten


19 Infusion20.jpg 20   Infusion21.jpg


Bild 19 und 20: Ein Mesh-Tube in der Bauteilmitte dient als Harzverteiler


21 Infusion22.jpg 22   Infusion23.jpg

Bild 21: Harz- und Vakuumleitung

Bild 22: Die Fließfront verteilt sich der Bauteilgeometrie entsprechend kreisförmig nach aussen


23 Infusion24.jpg  24  Infusion25.jpg


Bild 23: Die Fließfront ist am Randbereich angekommen

Bild 24: Das Bauteil ist fast vollständig gefüllt