Kerzen formen: Unterschied zwischen den Versionen
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Welche Formkonstruktion geeignet ist, hängt vor allem von der Geometrie des Urmodells ab. Als Urmodell bezeichnet man den Gegenstand, dessen Form mit Silikon abgeformt werden soll. | Welche Formkonstruktion geeignet ist, hängt vor allem von der Geometrie des Urmodells ab. Als Urmodell bezeichnet man den Gegenstand, dessen Form mit Silikon abgeformt werden soll. | ||
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=== Welche Arten von Silikonformen gibt es? === | === Welche Arten von Silikonformen gibt es? === | ||
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* '''Zweiteilige Gießform:''' Für komplexere Modelle, bei denen eine Trennung in zwei Formhälften das Entformen erleichtert. Die beiden Hälften werden nacheinander hergestellt und beim Kerzengießen passgenau zusammengefügt. | * '''Zweiteilige Gießform:''' Für komplexere Modelle, bei denen eine Trennung in zwei Formhälften das Entformen erleichtert. Die beiden Hälften werden nacheinander hergestellt und beim Kerzengießen passgenau zusammengefügt. | ||
* '''Mehrteilige Gießform:''' Für besonders anspruchsvolle Geometrien mit mehreren oder stark ausgeprägten Hinterschneidungen. Die Form besteht aus drei oder mehr passgenauen Einzelteilen. | * '''Mehrteilige Gießform:''' Für besonders anspruchsvolle Geometrien mit mehreren oder stark ausgeprägten Hinterschneidungen. Die Form besteht aus drei oder mehr passgenauen Einzelteilen. | ||
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Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie die verschiedenen Silikonformen hergestellt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung des Urmodells, dem Formenbau und dem sicheren Entformen. Das anschließende Gießen der Kerzen wird ergänzend kurz erläutert.<br><br> | '''Was sind Hinterschneidungen?''' <br>Hinterschneidungen sind vorspringende oder zurückliegende Bereiche eines Modells, die das Entformen erschweren. Beispiele sind ausladende Arme einer Figur oder stark hervorstehende Verzierungen.<br><br>Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie die verschiedenen Silikonformen hergestellt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung des Urmodells, dem Formenbau und dem sicheren Entformen. Das anschließende Gießen der Kerzen wird ergänzend kurz erläutert.<br><br>Weiterführende Informationen finden Sie im [https://www.r-g.de/wiki/Kategorie:Silikone R&G-Wiki zum Thema Silikone]. | ||
Weiterführende Informationen finden Sie im [https://www.r-g.de/wiki/Kategorie:Silikone R&G-Wiki zum Thema Silikone]. | |||
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Für die Herstellung von Kerzengießformen eignen sich entsprechend geprüfte RTV-2-Silikonkautschuke. Sie bestehen aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen bei Raumtemperatur zu einem elastischen Formwerkstoff vernetzen. | Für die Herstellung von Kerzengießformen eignen sich entsprechend geprüfte RTV-2-Silikonkautschuke. Sie bestehen aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen bei Raumtemperatur zu einem elastischen Formwerkstoff vernetzen. | ||
Die Auswahl des geeigneten Silikons hängt vor allem von der Größe und Geometrie des Urmodells, den vorhandenen Hinterschneidungen und der erforderlichen Formstabilität ab. | |||
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=== R&G KDSV-25 WEISS === | === R&G KDSV-25 WEISS === | ||
Mit einer Shore-A-Härte von 25 ± 2 bietet KDSV-25 eine Kombination aus Elastizität, Formstabilität und hoher Weiterreißfestigkeit. Das Material eignet sich | Mit einer Shore-A-Härte von 25 ± 2 bietet KDSV-25 eine gute Kombination aus Elastizität, Formstabilität und hoher Weiterreißfestigkeit. Das Material eignet sich insbesondere für einfache und mittelgroße Gießformen sowie für Modelle mit feinen Oberflächenstrukturen. | ||
[https://www.r-g.de/art/415200 Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS] | [https://www.r-g.de/art/415200 Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS] | ||
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=== R&G KDSV-10 WEISS === | === R&G KDSV-10 WEISS === | ||
Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger. Dadurch kann das Entformen | Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger. Dadurch kann das Entformen von Modellen mit ausgeprägten Hinterschneidungen erleichtert werden. | ||
Aufgrund seiner geringeren Härte können größere oder dünnwandige Formen jedoch leichter nachgeben. Eine zusätzliche Stützform kann deshalb erforderlich sein, um die Form beim späteren Befüllen in ihrer vorgesehenen Geometrie zu halten. | |||
[https://www.r-g.de/art/415200-10 Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS] | [https://www.r-g.de/art/415200-10 Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS] | ||
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=== Technische Eigenschaften im Vergleich === | === Technische Eigenschaften im Vergleich === | ||
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! KDSV-25 | ! KDSV-25 | ||
! KDSV-10 | ! KDSV-10 | ||
|- | |- | ||
| Shore-A-Härte | | Shore-A-Härte | ||
| 25 ± 2 | | 25 ± 2 | ||
| 10 ± 2 | | 10 ± 2 | ||
|- | |- | ||
| Reißdehnung | | Reißdehnung | ||
| | | > 480 % | ||
| | | > 640 % | ||
|- | |- | ||
| Weiterreißwiderstand | | Weiterreißwiderstand | ||
| | | > 31 N/mm | ||
| | | > 13 N/mm | ||
|} | |} | ||
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'''Praxis-Tipp:''' Ein weicheres Silikon ist nicht automatisch besser für filigrane Formen geeignet. Bei dünnen Stegen, ausgeprägten Hinterschneidungen und stark beanspruchten Formbereichen ist auch die Weiterreißfestigkeit entscheidend. Für größere Formen kann ein härteres Silikon vorteilhaft sein, da es weniger leicht nachgibt. | |||
'''Wichtig:''' Vor der Verwendung als Kerzengießform muss geprüft werden, ob der gewählte Silikonkautschuk für die vorgesehene Wachsgießtemperatur geeignet ist. Angaben zur kurzfristigen Temperaturbeständigkeit stellen keine pauschale Freigabe für jede Anwendung dar. | |||
''' | '''Hinweis:''' Mischungsverhältnis, Verarbeitungszeit und Entformungszeit richten sich nach dem verwendeten Silikonkautschuk und der Vernetzerdosierung. Maßgeblich sind die aktuellen technischen Datenblätter und Verarbeitungshinweise. | ||
== 2. Materialien und Werkzeuge == | == 2. Materialien und Werkzeuge == | ||
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* Gegebenenfalls Versiegelung oder geeignetes Trennmittel | * Gegebenenfalls Versiegelung oder geeignetes Trennmittel | ||
* [https://www.r-g.de/list/arbeitssicherheit/ Schutzhandschuhe und Schutzbrille] | * [https://www.r-g.de/list/arbeitssicherheit/ Schutzhandschuhe und Schutzbrille] | ||
* Für geschlitzte Formen: geeignetes scharfes Schneidwerkzeug | |||
* Für zweiteilige Formen: Modelliermasse zum Einbetten und Material zur Herstellung von Passmarken | |||
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* Thermometer | * Thermometer | ||
* Gegebenenfalls Stützform oder Formhalterung | * Gegebenenfalls Stützform oder Formhalterung | ||
Weitere '''Hinweise zur Produktauswahl''' finden Sie in der [https://www.r-g.de/wiki/Auswahlhilfe_Silikone R&G-Auswahlhilfe für Silikone]. | |||
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== 3. Schritt für Schritt: Eine einfache Silikonform herstellen == | == 3. Schritt für Schritt: Eine einfache Silikonform herstellen == | ||
Eine einteilige Silikonform ist der einfachste Einstieg in den Silikonformenbau. Sie eignet sich besonders für Stumpenkerzen, geometrische Formen und Modelle mit wenigen oder keinen ausgeprägten Hinterschneidungen. | |||
Das Urmodell wird in einem Formkasten befestigt und mit flüssigem Silikon umgossen. Nach dem Aushärten wird das Urmodell entfernt. Zurück bleibt eine elastische Gießform, deren Innenfläche die Konturen des Modells wiedergibt. | |||
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=== Schritt 1 – Urmodell auswählen und vorbereiten === | === Schritt 1 – Urmodell auswählen und vorbereiten === | ||
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[[Datei:schritt-01.jpg|400px|Datei:schritt-01.jpg]] | [[Datei:schritt-01.jpg|400px|Datei:schritt-01.jpg]] | ||
Für unser Beispiel verwenden wir ein zylindrisches Urmodell mit einem dekorativen Blätterrelief und einer ebenen Standfläche. | |||
Das Urmodell muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein. Saugende Materialien wie Holz oder Gips sollten vor dem Abformen mit einer geeigneten Versiegelung behandelt werden. | |||
Die Oberfläche des Urmodells bestimmt die spätere Oberflächenqualität der Kerze. Kratzer, Unebenheiten und andere Oberflächendetails werden vom Silikon mit abgeformt. Das Urmodell sollte deshalb vor dem Abformen sorgfältig geprüft und gegebenenfalls nachbearbeitet werden. | |||
Bereits bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass sich das Urmodell später aus der elastischen Silikonform entnehmen lässt. Stark vorspringende Details oder ausgeprägte Hinterschneidungen können das Entformen erschweren. | |||
''' | '''Wichtig:''' Bei einer einfachen Stumpenkerze wird das Urmodell mit seiner späteren Standfläche am Boden des Formkastens befestigt. Diese Fläche bleibt frei von Silikon und bildet nach dem Entfernen des Urmodells die Gießöffnung. | ||
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=== Schritt 2 | === Schritt 2 – Formkasten aufbauen und Urmodell befestigen === | ||
[[Datei:schritt-02.jpg|400px|Datei:schritt-02.jpg]] | [[Datei:schritt-02.jpg|400px|Datei:schritt-02.jpg]] | ||
Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses. | Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses. Er kann beispielsweise aus Kunststoffplatten hergestellt werden. Wichtig sind eine stabile Konstruktion und sorgfältig abgedichtete Verbindungen. | ||
Das Urmodell mittig auf dem Boden des Formkastens positionieren und sicher befestigen. Dabei muss die Verbindung zwischen Urmodell und Boden dicht sein, damit kein Silikon darunterlaufen kann. | |||
Für | Zwischen Urmodell und Formkastenwand sollte ausreichend Platz für stabile Silikonwände bleiben. Für einfache Blockformen können etwa 10–15 mm als erster Planungswert dienen. Bei größeren Formen, ausgeprägten Hinterschneidungen oder weichen Silikonen kann eine größere Wandstärke erforderlich sein. | ||
Auch oberhalb der höchsten Stelle des Urmodells muss ausreichend Silikon vorhanden sein. Für das gezeigte Beispiel ist eine Überdeckung von mindestens etwa 10 mm vorgesehen. | |||
'''Praxis-Tipp:''' Vor dem Anmischen des Silikons den Formkasten auf Dichtigkeit prüfen. Bereits kleine Undichtigkeiten können beim Verguss zu Materialverlust führen. | |||
'''Praxis-Tipp:''' | |||
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=== Schritt 3 | === Schritt 3 – Benötigte Silikonmenge bestimmen === | ||
<p>Die benötigte Silikonmenge ergibt sich näherungsweise aus dem Innenvolumen des Formkastens abzüglich des Volumens des Urmodells.</p><p>'''Beispiel:''' Ein Formkasten mit den Innenmaßen 10 × 10 × 12 cm besitzt ein Volumen von 1.200 cm³. Ein zylindrisches Urmodell mit 6 cm Durchmesser und 10 cm Höhe verdrängt etwa 283 cm³. Daraus ergibt sich ein Silikonbedarf von ungefähr 917 cm³.</p><p>Zur Umrechnung in Gramm wird das berechnete Volumen mit der Dichte des verwendeten Silikons multipliziert. Zusätzlich sollte eine kleine Materialreserve für Misch- und Gießverluste eingeplant werden.</p><p>'''Hinweis:''' Bei unregelmäßigen Urmodellen lässt sich deren Volumen nur näherungsweise berechnen. Entscheidend ist, dass ausreichend Silikon für die vollständige Form vorhanden ist.</p> | |||
=== Schritt 4 – Silikon abwiegen und mischen === | |||
[[Datei:schritt-03.jpg|400px|Datei:schritt-03.jpg]] | [[Datei:schritt-03.jpg|400px|Datei:schritt-03.jpg]] | ||
Die | Die erforderliche Menge Silikonkautschuk in einen sauberen Mischbecher einwiegen. Anschließend den zugehörigen Vernetzer entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis nach Gewicht dosieren. | ||
Bei [https://www.r-g.de/art/415200 KDSV-25 WEISS] und [https://www.r-g.de/art/415200-10 KDSV-10 WEISS] sind die jeweils vorgesehenen Vernetzerdosierungen und Verarbeitungszeiten dem aktuellen technischen Datenblatt zu entnehmen. | |||
Beide Komponenten langsam und gründlich miteinander vermischen. Dabei auch den Boden und die Wand des Mischbechers erfassen, damit keine unvermischten Bereiche zurückbleiben. | |||
Die | Zu schnelles oder kräftiges Rühren kann zusätzliche Luftblasen in die Mischung eintragen. Die Verarbeitungszeit beginnt mit der Zugabe des Vernetzers. | ||
'''Praxis-Tipp:''' Bei besonders detailreichen Urmodellen oder hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität kann eine geeignete Vakuumentlüftung der Silikonmischung sinnvoll sein. Dabei sind das Aufschäumen der Mischung und die verfügbare Verarbeitungszeit zu berücksichtigen. | |||
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=== Schritt | === Schritt 5 – Silikon eingießen === | ||
[[Datei:schritt-04.jpg|400px|Datei:schritt-04.jpg]] | [[Datei:schritt-04.jpg|400px|Datei:schritt-04.jpg]] | ||
Um Lufteinschlüsse an feinen | <p>Um Lufteinschlüsse an feinen Reliefstrukturen zu vermeiden, kann das Urmodell zunächst mit einer dünnen Schicht der angemischten Silikonmasse benetzt werden. Hierfür eignet sich beispielsweise ein weicher Pinsel, sofern er mit dem Silikon verträglich ist.</p><p>Die restliche Silikonmischung langsam in einem dünnen Strahl an einer möglichst tief gelegenen Stelle neben dem Urmodell eingießen. Das Silikon sollte das Modell nach und nach umfließen und vorhandene Luft verdrängen.</p><p>Den Formkasten so weit befüllen, dass das Urmodell vollständig und mit ausreichender Überdeckung von Silikon umgeben ist.</p><p>'''Wichtig:''' Das Silikon möglichst nicht direkt und mit hohem Druck auf filigrane Details gießen. Dadurch könnten sich Luftblasen festsetzen oder empfindliche Teile des Urmodells verschieben.</p> | ||
Das Silikon | |||
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=== Schritt | === Schritt 6 – Silikon aushärten lassen === | ||
Den gefüllten Formkasten | Den gefüllten Formkasten auf einer ebenen, erschütterungsfreien Unterlage stehen lassen, bis das Silikon ausreichend vernetzt ist. | ||
Die Entformungszeit hängt vom | Die erforderliche Entformungszeit hängt vom Silikontyp, der Vernetzerdosierung und der Umgebungstemperatur ab. Maßgeblich sind die aktuellen R&G-Verarbeitungshinweise. | ||
Die Form erst entnehmen, wenn das Silikon die für das Entformen erforderliche Festigkeit erreicht hat. | |||
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=== Schritt | === Schritt 7 – Silikonform entformen und kontrollieren === | ||
[[Datei:schritt-05.jpg|400px|Datei:schritt-05.jpg]] | [[Datei:schritt-05.jpg|400px|Datei:schritt-05.jpg]] | ||
Nach | Nach dem Aushärten wird das Urmodell vorsichtig entfernt. Anschließend die elastische Silikonform behutsam vom Urmodell lösen.<p>Bei Bedarf die Formwand leicht nach außen dehnen, ohne das Silikon übermäßig zu belasten.</p><p>Das Urmodell nicht gewaltsam herausziehen. Besonders bei Reliefstrukturen und Hinterschneidungen besteht die Gefahr, dass dünne Formbereiche einreißen.</p><p>Nach dem Entformen die Silikonform auf Luftblasen, Risse, unvollständig abgeformte Bereiche und andere Fehlstellen kontrollieren.</p><p>'''Wichtig vor dem Wachsguss: '''</p> | ||
Kondensationsvernetzende Silikone setzen während der Vernetzung flüchtige Spaltprodukte frei. Vor dem Kontakt mit heißem Wachs müssen diese ausreichend entwichen sein. Die Entformbarkeit allein bedeutet noch nicht, dass die Form bereits thermisch belastet werden darf.<p>Eine zu frühe thermische Belastung kann die Form schädigen. Die erforderlichen Bedingungen richten sich nach dem verwendeten Produkt und der Formdicke.</p> | |||
=== Schritt 7 – Dochtführung und Wachsguss vorbereiten === | === Schritt 7 – Dochtführung und Wachsguss vorbereiten === | ||
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=== Variante A – Geschlitzte Silikonform === | === Variante A – Geschlitzte Silikonform herstellen === | ||
Bei Urmodellen mit ausgeprägteren Konturen oder einzelnen Hinterschneidungen kann eine geschlitzte Silikonform sinnvoll sein. Dabei wird zunächst eine einteilige Blockform hergestellt. Nach dem Aushärten wird das Silikon an einer geeigneten Stelle eingeschnitten, um das Entformen zu erleichtern. | |||
Diese Methode eignet sich beispielsweise für dekorative Kerzenfiguren, die sich nicht ohne Weiteres durch die ursprüngliche Gießöffnung herausziehen lassen.[[file:Geschlitzte_Form.jpg|400px|left|frameless]] | |||
=== Schritt 1 – Schnittführung planen === | |||
<p>Bereits vor dem Silikonverguss festlegen, an welcher Stelle die Form später geöffnet werden soll. Der Schnitt sollte möglichst entlang einer unauffälligen Modellkontur verlaufen, beispielsweise an der Rückseite einer Figur.</p><p>Die Schnittführung muss so gewählt werden, dass sich das Urmodell anschließend ohne übermäßige Dehnung oder Beschädigung entnehmen lässt.</p> | |||
=== Schritt 2 – Silikonblock herstellen === | |||
<p>Das Urmodell entsprechend der Anleitung für einteilige Formen in einem dichten Formkasten befestigen und mit Silikon umgießen.</p><p>Auf ausreichende Wandstärke achten. Besonders im Bereich des späteren Schnitts darf das Silikon nicht zu dünn sein.</p><p>Das Silikon vollständig bis zur erforderlichen Entformungsfestigkeit vernetzen lassen und den Formkasten entfernen.</p> | |||
=== Schritt 3 – Form vorsichtig einschneiden === | |||
<p>Mit einem geeigneten scharfen Schneidwerkzeug die Silikonform entlang der geplanten Linie schrittweise öffnen. Dabei möglichst kontrolliert und mit kurzen Schnitten arbeiten.</p><p>Der Schnitt sollte nur so weit geführt werden, wie es für die Entnahme des Urmodells erforderlich ist. Wenn die Geometrie es zulässt, bleibt ein zusammenhängender Silikonbereich als elastisches Scharnier erhalten.</p><p>'''Praxis-Tipp:''' Eine kontrolliert geführte, leicht unregelmäßige Schnittfläche kann das spätere passgenaue Zusammenfügen erleichtern. Dabei dürfen keine empfindlichen Bereiche des Urmodells beschädigt werden.</p> | |||
=== Schritt 4 – Urmodell entnehmen === | |||
<p>Die Silikonform entlang des Schnitts vorsichtig auseinanderziehen und das Urmodell entnehmen.</p><p>Prüfen, ob sich die Form ausreichend weit öffnen lässt und ob die Schnittflächen unbeschädigt sind.</p> | |||
=== Schritt 5 – Form für den Wachsguss schließen === | |||
<p>Vor dem späteren Befüllen die Schnittflächen wieder exakt zusammenführen. Die Form von außen mit einer geeigneten Fixierung sichern, beispielsweise mit einem anliegenden Stützmantel oder einer anderen formschonenden Halterung.</p><p>Die Fixierung muss verhindern, dass sich die Schnittflächen unter dem Gewicht des flüssigen Wachses öffnen oder gegeneinander verschieben.</p><p>'''Wichtig:''' Ein Schnitt kann sich auf der Oberfläche der gegossenen Kerze als feine Naht abzeichnen. Bei stark ausgeprägten Hinterschneidungen oder komplizierten Geometrien kann eine zweiteilige Form die bessere Lösung sein.</p> | |||
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== Zweiteilige Silikonform herstellen == | |||
Für komplexere Urmodelle mit ausgeprägten Hinterschneidungen kann eine zweiteilige Silikonform erforderlich sein. Sie besteht aus zwei getrennten Formhälften, die nacheinander hergestellt und für den späteren Wachsguss passgenau zusammengefügt werden. | |||
Ein typisches Beispiel ist eine dekorative Kerzenfigur mit vorspringenden Armen, Flügeln oder anderen Konturen, die das Entformen aus einer einteiligen Form erschweren. | |||
Die Herstellung erfolgt mit einem geeigneten RTV-2-Silikonkautschuk. Besonders wichtig sind eine sinnvoll gewählte Trennebene, eine sorgfältige Vorbereitung des Urmodells und die zuverlässige Trennung der beiden Silikonhälften. | |||
=== Benötigte Materialien und Hilfsmittel === | |||
* '''Urmodell:''' Die Figur oder der Gegenstand, der abgeformt werden soll | |||
* '''RTV-2-Silikonkautschuk:''' Geeignetes zweikomponentiges Formsilikon | |||
* '''Schwefelfreie Modelliermasse:''' Zum Einbetten des Urmodells und Ausbilden der Trennebene | |||
* '''Geeignetes Trennmittel:''' Zur Verhinderung einer Verbindung zwischen den beiden Silikonhälften | |||
* '''Formkasten:''' Beispielsweise aus Kunststoffplatten, Holz oder geeigneten Bausteinen | |||
* '''Waage und Mischbecher:''' Zum genauen Dosieren und Anmischen des Silikons | |||
* '''Rührspatel:''' Zum gründlichen Vermischen der Komponenten | |||
* '''Modellierwerkzeug:''' Zum Glätten der Trennebene und Herstellen der Passmarkierungen | |||
=== Schritt 1 – Trennebene festlegen === | |||
Zunächst wird festgelegt, an welcher Stelle das Urmodell in zwei Formhälften aufgeteilt werden soll. Diese gedachte Fläche bezeichnet man als '''Trennebene'''. | |||
Die Trennebene sollte so verlaufen, dass sich beide Formhälften später möglichst ohne Beschädigung vom Urmodell und von der gegossenen Kerze abnehmen lassen. | |||
Bei einer dekorativen Figur bietet sich häufig eine Teilung in Vorder- und Rückseite an. Der Verlauf der Trennebene richtet sich jedoch immer nach der Geometrie des Urmodells. | |||
Bereits bei der Planung müssen die spätere Gießöffnung und die Dochtführung berücksichtigt werden. Die Gießöffnung kann beispielsweise an der späteren Standfläche der Kerze vorgesehen werden. | |||
=== Schritt 2 – Urmodell in Modelliermasse einbetten === | |||
Das Urmodell wird in einem ausreichend großen, dichten Formkasten positioniert und bis zur vorgesehenen Trennebene in schwefelfreie Modelliermasse eingebettet. | |||
Die Modelliermasse muss dicht an der Kontur des Urmodells anliegen. Zwischenräume und Unebenheiten sind sorgfältig zu schließen, damit kein flüssiges Silikon unter das Modell gelangen kann. | |||
Anschließend werden rund um das Urmodell mehrere kleine Vertiefungen in die Modelliermasse gedrückt. Diese bilden später die '''Passmarkierungen''', durch die sich beide Silikonhälften exakt zueinander ausrichten lassen. | |||
Die Vertiefungen sollten gleichmäßig verteilt sein und einen ausreichenden Abstand zum Urmodell sowie zum Rand des Formkastens aufweisen. | |||
[[Datei:Silikonform_01_Urmodell_einbetten.png|mini|zentriert|680px|Urmodell in Modelliermasse eingebettet, mit vorbereiteten Passmarkierungen.]] | |||
=== Schritt 3 – Erste Silikonhälfte herstellen === | |||
Vor dem Anmischen wird geprüft, ob das Urmodell und die verwendete Modelliermasse mit dem gewählten Silikon verträglich sind. Falls erforderlich, wird ein geeignetes Trennmittel aufgetragen. | |||
Die beiden Silikonkomponenten werden entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis genau dosiert und gründlich miteinander vermischt. Dabei sollte möglichst wenig Luft eingerührt werden. | |||
Anschließend wird das flüssige Silikon langsam und in einem dünnen Strahl an einer geeigneten Stelle in den Formkasten gegossen. Es verteilt sich über die freiliegende Seite des Urmodells und bildet nach dem Aushärten die erste Formhälfte. | |||
Dabei ist auf eine ausreichende Silikonüberdeckung des Urmodells zu achten. | |||
Die erste Silikonhälfte muss vollständig aushärten. Die erforderliche Aushärtezeit richtet sich nach dem verwendeten Silikon und den Verarbeitungsbedingungen. | |||
=== Schritt 4 – Modelliermasse entfernen und Trennfläche vorbereiten === | |||
Nach dem vollständigen Aushärten wird der Formkasten vorsichtig geöffnet beziehungsweise entfernt. | |||
Der Silikonblock mit dem eingebetteten Urmodell wird gewendet. Anschließend wird die Modelliermasse vollständig entfernt. Das Urmodell verbleibt dabei in der bereits ausgehärteten ersten Silikonhälfte. | |||
Die nun freiliegende Silikonoberfläche bildet die Trennfläche für die zweite Formhälfte. Rückstände der Modelliermasse müssen sorgfältig entfernt werden. | |||
Anschließend wird die ausgehärtete Silikonoberfläche gleichmäßig mit einem geeigneten Silikon-auf-Silikon-Trennmittel behandelt. | |||
'''Wichtig:''' Ohne wirksame Trennschicht kann sich das frisch angemischte Silikon mit der bereits ausgehärteten Silikonhälfte verbinden. Die beiden Formhälften lassen sich dann unter Umständen nicht mehr voneinander trennen. | |||
[[Datei:Silikonform_02_Erste_Formhaelfte.png|mini|zentriert|680px|Erste ausgehärtete Silikonhälfte nach dem Entfernen der Modelliermasse.]] | |||
=== Schritt 5 – Zweite Silikonhälfte herstellen === | |||
Der Formkasten wird erneut um die erste Silikonhälfte aufgebaut und sorgfältig abgedichtet. | |||
Nach dem Auftragen und gegebenenfalls Ablüften des Trennmittels wird eine weitere Portion Silikon entsprechend den Herstellerangaben angemischt. | |||
Das flüssige Silikon wird langsam in den Formkasten gegossen, sodass es die noch freiliegende Seite des Urmodells vollständig umschließt. | |||
Dabei entstehen die zweite Formhälfte sowie die zu den vorhandenen Passmarkierungen passenden Gegenkonturen. | |||
Anschließend muss auch die zweite Silikonhälfte vollständig aushärten. | |||
[[Datei:Silikonform_03_Zweite_Formhaelfte.png|mini|zentriert|680px|Frisch angemischtes Silikon wird über die zweite Seite des Urmodells gegossen.]] | |||
=== Schritt 6 – Formhälften trennen und Urmodell entnehmen === | |||
Nach dem Aushärten wird der Formkasten entfernt. Die beiden Silikonhälften werden vorsichtig entlang der Trennebene voneinander getrennt. | |||
Das Urmodell kann nun entnommen werden. | |||
Anschließend werden beide Formhälften auf vollständige Abformung, saubere Konturen und mögliche Fehlstellen überprüft. Auch die Passmarkierungen müssen sauber ineinandergreifen. | |||
Falls erforderlich, können überstehende Silikonreste vorsichtig entfernt werden. | |||
[[Datei:Silikonform_04_Geoeffnete_Form.png|mini|zentriert|680px|Die beiden geöffneten Silikonhälften mit den abgeformten Konturen und Passmarkierungen.]] | |||
=== Schritt 7 – Gießöffnung und Dochtführung vorbereiten === | |||
Für den späteren Kerzenguss wird eine ausreichend große Gießöffnung benötigt. Diese kann bereits bei der Herstellung der Form berücksichtigt oder nachträglich an einer geeigneten Stelle eingearbeitet werden. | |||
Bei einer stehenden Kerzenfigur befindet sich die Gießöffnung häufig an der späteren Standfläche. Die Form wird zum Befüllen entsprechend ausgerichtet. | |||
Zusätzlich muss eine geeignete Dochtführung vorgesehen werden. Der Docht wird so positioniert und fixiert, dass er während des Wachsgusses möglichst mittig in der Kerze verläuft. | |||
Je nach Geometrie können zusätzliche Entlüftungsmöglichkeiten erforderlich sein, damit eingeschlossene Luft beim Befüllen entweichen kann. | |||
=== Schritt 8 – Form zusammensetzen und für den Wachsguss vorbereiten === | |||
Vor dem | Vor dem ersten Wachsguss werden beide Formhälften gereinigt und auf Beschädigungen kontrolliert. | ||
Anschließend werden sie mithilfe der Passmarkierungen exakt zusammengefügt und von außen mit geeigneten Hilfsmitteln fixiert. Dabei muss ausreichend Druck ausgeübt werden, damit die Trennebene dicht schließt, ohne die Form zu verformen. | |||
Die zusammengesetzte Silikonform wird standsicher aufgestellt und der Docht in der vorgesehenen Position befestigt. | |||
Nun kann die Form mit geeignetem Kerzenwachs befüllt werden. Dabei sind die zulässige Temperaturbelastung des Silikons sowie die Verarbeitungshinweise des Wachsherstellers zu beachten. | |||
Nach dem vollständigen Erstarren und ausreichenden Abkühlen des Wachses werden die Formhälften vorsichtig geöffnet und die fertige Kerze entnommen. | |||
=== Hinweise für ein gutes Abformergebnis === | |||
* '''Silikon auswählen:''' Für Kerzengießformen nur Silikone verwenden, die für den vorgesehenen Temperaturbereich und den Kontakt mit Kerzenwachs geeignet sind. | |||
* '''Materialverträglichkeit prüfen:''' Insbesondere additionsvernetzende Silikone können durch bestimmte Stoffe, beispielsweise schwefelhaltige Modelliermassen, in ihrer Aushärtung beeinträchtigt werden. | |||
* '''Trennmittel richtig einsetzen:''' Für die Trennung der beiden Silikonhälften ein geeignetes, auf das verwendete Silikon abgestimmtes Trennmittel verwenden. | |||
* '''Luftblasen vermeiden:''' Das Silikon sorgfältig mischen und langsam eingießen. Bei detailreichen Urmodellen kann es sinnvoll sein, die Oberfläche zunächst mit einer dünnen Silikonschicht zu benetzen. | |||
* '''Passmarkierungen vorsehen:''' Sie erleichtern das exakte Zusammensetzen der Formhälften und reduzieren einen möglichen Versatz an der Trennebene. | |||
* '''Form ausreichend stabilisieren:''' Besonders bei größeren oder weicheren Silikonformen kann eine zusätzliche äußere Stützform erforderlich sein, um Verformungen beim Wachsguss zu vermeiden. | |||
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Aktuelle Version vom 7. November 2026, 13:58 Uhr
Kerzenformen aus Silikon selbst herstellen
Mit RTV-2-Silikonkautschuk lassen sich individuelle Gießformen für Kerzen herstellen – von einfachen Stumpenkerzen bis hin zu detailreichen Figuren und dekorativen Motiven. Das elastische Silikon bildet auch feine Oberflächenstrukturen präzise ab und erleichtert das spätere Entformen der Kerzen.
Welche Formkonstruktion geeignet ist, hängt vor allem von der Geometrie des Urmodells ab. Als Urmodell bezeichnet man den Gegenstand, dessen Form mit Silikon abgeformt werden soll.
Welche Arten von Silikonformen gibt es?
- Einteilige Gießform: Für einfache Modelle ohne ausgeprägte Hinterschneidungen, die sich problemlos aus der elastischen Silikonform entnehmen lassen. Besonders gut für Einsteiger geeignet.
- Geschlitzte Gießform: Für Modelle mit komplexeren Konturen oder Hinterschneidungen. Die ausgehärtete Silikonform wird gezielt eingeschnitten, um das Urmodell und später die gegossene Kerze entnehmen zu können.
- Zweiteilige Gießform: Für komplexere Modelle, bei denen eine Trennung in zwei Formhälften das Entformen erleichtert. Die beiden Hälften werden nacheinander hergestellt und beim Kerzengießen passgenau zusammengefügt.
- Mehrteilige Gießform: Für besonders anspruchsvolle Geometrien mit mehreren oder stark ausgeprägten Hinterschneidungen. Die Form besteht aus drei oder mehr passgenauen Einzelteilen.
Was sind Hinterschneidungen?
Hinterschneidungen sind vorspringende oder zurückliegende Bereiche eines Modells, die das Entformen erschweren. Beispiele sind ausladende Arme einer Figur oder stark hervorstehende Verzierungen.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie die verschiedenen Silikonformen hergestellt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung des Urmodells, dem Formenbau und dem sicheren Entformen. Das anschließende Gießen der Kerzen wird ergänzend kurz erläutert.
Weiterführende Informationen finden Sie im R&G-Wiki zum Thema Silikone.
1. Das geeignete Silikon auswählen
Für die Herstellung von Kerzengießformen eignen sich entsprechend geprüfte RTV-2-Silikonkautschuke. Sie bestehen aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen bei Raumtemperatur zu einem elastischen Formwerkstoff vernetzen.
Die Auswahl des geeigneten Silikons hängt vor allem von der Größe und Geometrie des Urmodells, den vorhandenen Hinterschneidungen und der erforderlichen Formstabilität ab.
R&G KDSV-25 WEISS
Mit einer Shore-A-Härte von 25 ± 2 bietet KDSV-25 eine gute Kombination aus Elastizität, Formstabilität und hoher Weiterreißfestigkeit. Das Material eignet sich insbesondere für einfache und mittelgroße Gießformen sowie für Modelle mit feinen Oberflächenstrukturen.
Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS
R&G KDSV-10 WEISS
Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger. Dadurch kann das Entformen von Modellen mit ausgeprägten Hinterschneidungen erleichtert werden.
Aufgrund seiner geringeren Härte können größere oder dünnwandige Formen jedoch leichter nachgeben. Eine zusätzliche Stützform kann deshalb erforderlich sein, um die Form beim späteren Befüllen in ihrer vorgesehenen Geometrie zu halten.
Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS
Technische Eigenschaften im Vergleich
| Eigenschaft | KDSV-25 | KDSV-10 |
|---|---|---|
| Shore-A-Härte | 25 ± 2 | 10 ± 2 |
| Reißdehnung | > 480 % | > 640 % |
| Weiterreißwiderstand | > 31 N/mm | > 13 N/mm |
Praxis-Tipp: Ein weicheres Silikon ist nicht automatisch besser für filigrane Formen geeignet. Bei dünnen Stegen, ausgeprägten Hinterschneidungen und stark beanspruchten Formbereichen ist auch die Weiterreißfestigkeit entscheidend. Für größere Formen kann ein härteres Silikon vorteilhaft sein, da es weniger leicht nachgibt.
Wichtig: Vor der Verwendung als Kerzengießform muss geprüft werden, ob der gewählte Silikonkautschuk für die vorgesehene Wachsgießtemperatur geeignet ist. Angaben zur kurzfristigen Temperaturbeständigkeit stellen keine pauschale Freigabe für jede Anwendung dar.
Hinweis: Mischungsverhältnis, Verarbeitungszeit und Entformungszeit richten sich nach dem verwendeten Silikonkautschuk und der Vernetzerdosierung. Maßgeblich sind die aktuellen technischen Datenblätter und Verarbeitungshinweise.
2. Materialien und Werkzeuge
Für die Herstellung einer einfachen Silikonform werden benötigt:
- R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS einschließlich zugehörigem Vernetzer
- Geeignetes Urmodell
- Dicht schließender Formkasten
- Geeignete Modellier- oder Dichtmasse
- Präzisionswaage
- Sauberer Mischbecher
- Rührspatel
- Gegebenenfalls Versiegelung oder geeignetes Trennmittel
- Schutzhandschuhe und Schutzbrille
- Für geschlitzte Formen: geeignetes scharfes Schneidwerkzeug
- Für zweiteilige Formen: Modelliermasse zum Einbetten und Material zur Herstellung von Passmarken
Für den anschließenden Kerzenguss:
- Geeignetes Kerzenwachs
- Zum Kerzendurchmesser passender Docht
- Dochtzentrierhilfe
- Geeignetes Wachsschmelzgefäß
- Thermometer
- Gegebenenfalls Stützform oder Formhalterung
Weitere Hinweise zur Produktauswahl finden Sie in der R&G-Auswahlhilfe für Silikone.
3. Schritt für Schritt: Eine einfache Silikonform herstellen
Eine einteilige Silikonform ist der einfachste Einstieg in den Silikonformenbau. Sie eignet sich besonders für Stumpenkerzen, geometrische Formen und Modelle mit wenigen oder keinen ausgeprägten Hinterschneidungen.
Das Urmodell wird in einem Formkasten befestigt und mit flüssigem Silikon umgossen. Nach dem Aushärten wird das Urmodell entfernt. Zurück bleibt eine elastische Gießform, deren Innenfläche die Konturen des Modells wiedergibt.
Schritt 1 – Urmodell auswählen und vorbereiten
Für unser Beispiel verwenden wir ein zylindrisches Urmodell mit einem dekorativen Blätterrelief und einer ebenen Standfläche.
Das Urmodell muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein. Saugende Materialien wie Holz oder Gips sollten vor dem Abformen mit einer geeigneten Versiegelung behandelt werden.
Die Oberfläche des Urmodells bestimmt die spätere Oberflächenqualität der Kerze. Kratzer, Unebenheiten und andere Oberflächendetails werden vom Silikon mit abgeformt. Das Urmodell sollte deshalb vor dem Abformen sorgfältig geprüft und gegebenenfalls nachbearbeitet werden.
Bereits bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass sich das Urmodell später aus der elastischen Silikonform entnehmen lässt. Stark vorspringende Details oder ausgeprägte Hinterschneidungen können das Entformen erschweren.
Wichtig: Bei einer einfachen Stumpenkerze wird das Urmodell mit seiner späteren Standfläche am Boden des Formkastens befestigt. Diese Fläche bleibt frei von Silikon und bildet nach dem Entfernen des Urmodells die Gießöffnung.
Schritt 2 – Formkasten aufbauen und Urmodell befestigen
Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses. Er kann beispielsweise aus Kunststoffplatten hergestellt werden. Wichtig sind eine stabile Konstruktion und sorgfältig abgedichtete Verbindungen.
Das Urmodell mittig auf dem Boden des Formkastens positionieren und sicher befestigen. Dabei muss die Verbindung zwischen Urmodell und Boden dicht sein, damit kein Silikon darunterlaufen kann.
Zwischen Urmodell und Formkastenwand sollte ausreichend Platz für stabile Silikonwände bleiben. Für einfache Blockformen können etwa 10–15 mm als erster Planungswert dienen. Bei größeren Formen, ausgeprägten Hinterschneidungen oder weichen Silikonen kann eine größere Wandstärke erforderlich sein.
Auch oberhalb der höchsten Stelle des Urmodells muss ausreichend Silikon vorhanden sein. Für das gezeigte Beispiel ist eine Überdeckung von mindestens etwa 10 mm vorgesehen.
Praxis-Tipp: Vor dem Anmischen des Silikons den Formkasten auf Dichtigkeit prüfen. Bereits kleine Undichtigkeiten können beim Verguss zu Materialverlust führen.
Schritt 3 – Benötigte Silikonmenge bestimmen
Die benötigte Silikonmenge ergibt sich näherungsweise aus dem Innenvolumen des Formkastens abzüglich des Volumens des Urmodells.
Beispiel: Ein Formkasten mit den Innenmaßen 10 × 10 × 12 cm besitzt ein Volumen von 1.200 cm³. Ein zylindrisches Urmodell mit 6 cm Durchmesser und 10 cm Höhe verdrängt etwa 283 cm³. Daraus ergibt sich ein Silikonbedarf von ungefähr 917 cm³.
Zur Umrechnung in Gramm wird das berechnete Volumen mit der Dichte des verwendeten Silikons multipliziert. Zusätzlich sollte eine kleine Materialreserve für Misch- und Gießverluste eingeplant werden.
Hinweis: Bei unregelmäßigen Urmodellen lässt sich deren Volumen nur näherungsweise berechnen. Entscheidend ist, dass ausreichend Silikon für die vollständige Form vorhanden ist.
Schritt 4 – Silikon abwiegen und mischen
Die erforderliche Menge Silikonkautschuk in einen sauberen Mischbecher einwiegen. Anschließend den zugehörigen Vernetzer entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis nach Gewicht dosieren.
Bei KDSV-25 WEISS und KDSV-10 WEISS sind die jeweils vorgesehenen Vernetzerdosierungen und Verarbeitungszeiten dem aktuellen technischen Datenblatt zu entnehmen.
Beide Komponenten langsam und gründlich miteinander vermischen. Dabei auch den Boden und die Wand des Mischbechers erfassen, damit keine unvermischten Bereiche zurückbleiben.
Zu schnelles oder kräftiges Rühren kann zusätzliche Luftblasen in die Mischung eintragen. Die Verarbeitungszeit beginnt mit der Zugabe des Vernetzers.
Praxis-Tipp: Bei besonders detailreichen Urmodellen oder hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität kann eine geeignete Vakuumentlüftung der Silikonmischung sinnvoll sein. Dabei sind das Aufschäumen der Mischung und die verfügbare Verarbeitungszeit zu berücksichtigen.
Schritt 5 – Silikon eingießen
Um Lufteinschlüsse an feinen Reliefstrukturen zu vermeiden, kann das Urmodell zunächst mit einer dünnen Schicht der angemischten Silikonmasse benetzt werden. Hierfür eignet sich beispielsweise ein weicher Pinsel, sofern er mit dem Silikon verträglich ist.
Die restliche Silikonmischung langsam in einem dünnen Strahl an einer möglichst tief gelegenen Stelle neben dem Urmodell eingießen. Das Silikon sollte das Modell nach und nach umfließen und vorhandene Luft verdrängen.
Den Formkasten so weit befüllen, dass das Urmodell vollständig und mit ausreichender Überdeckung von Silikon umgeben ist.
Wichtig: Das Silikon möglichst nicht direkt und mit hohem Druck auf filigrane Details gießen. Dadurch könnten sich Luftblasen festsetzen oder empfindliche Teile des Urmodells verschieben.
Schritt 6 – Silikon aushärten lassen
Den gefüllten Formkasten auf einer ebenen, erschütterungsfreien Unterlage stehen lassen, bis das Silikon ausreichend vernetzt ist.
Die erforderliche Entformungszeit hängt vom Silikontyp, der Vernetzerdosierung und der Umgebungstemperatur ab. Maßgeblich sind die aktuellen R&G-Verarbeitungshinweise.
Die Form erst entnehmen, wenn das Silikon die für das Entformen erforderliche Festigkeit erreicht hat.
Schritt 7 – Silikonform entformen und kontrollieren
Nach dem Aushärten wird das Urmodell vorsichtig entfernt. Anschließend die elastische Silikonform behutsam vom Urmodell lösen.
Bei Bedarf die Formwand leicht nach außen dehnen, ohne das Silikon übermäßig zu belasten.
Das Urmodell nicht gewaltsam herausziehen. Besonders bei Reliefstrukturen und Hinterschneidungen besteht die Gefahr, dass dünne Formbereiche einreißen.
Nach dem Entformen die Silikonform auf Luftblasen, Risse, unvollständig abgeformte Bereiche und andere Fehlstellen kontrollieren.
Wichtig vor dem Wachsguss:
Kondensationsvernetzende Silikone setzen während der Vernetzung flüchtige Spaltprodukte frei. Vor dem Kontakt mit heißem Wachs müssen diese ausreichend entwichen sein. Die Entformbarkeit allein bedeutet noch nicht, dass die Form bereits thermisch belastet werden darf.
Eine zu frühe thermische Belastung kann die Form schädigen. Die erforderlichen Bedingungen richten sich nach dem verwendeten Produkt und der Formdicke.
Schritt 7 – Dochtführung und Wachsguss vorbereiten
Vor dem Befüllen muss die Silikonform sicher und aufrecht stehen.
Weiche oder schlanke Formen benötigen gegebenenfalls eine passende Stützvorrichtung.
Der Docht wird mittig durch die spätere Kerzenachse geführt und mit einer geeigneten Zentrierhilfe fixiert.
Bei einer Form mit offener Gießseite kann der Docht durch einen geeigneten Führungskanal am geschlossenen Formende geführt werden.
Die Durchführung muss zuverlässig abgedichtet sein, damit kein flüssiges Wachs austritt.
Wichtig: Die genaue Dochtführung muss zur jeweiligen Formkonstruktion passen. Vor dem Wachsguss sollte die Dichtigkeit geprüft werden.
Schritt 8 – Kerzenwachs eingießen
Das Kerzenwachs wird in einem geeigneten Schmelzgefäß kontrolliert erwärmt.
Die zulässigen Schmelz- und Gießtemperaturen richten sich nach dem verwendeten Wachs und den Herstellerangaben.
Das flüssige Wachs vorsichtig in die vorbereitete Silikonform gießen.
Dabei darauf achten, dass der Docht mittig und möglichst gerade bleibt.
Die Form anschließend erschütterungsfrei abkühlen lassen.
Je nach Wachssorte und Kerzengeometrie kann sich beim Abkühlen eine Vertiefung bilden. Ob ein Nachgießen erforderlich ist, hängt vom verwendeten Wachs ab.
Sicherheitshinweis: Wachs nicht unbeaufsichtigt erhitzen. Überhitzung und den Kontakt mit offenen Flammen vermeiden. Geeignete Schutzausrüstung verwenden.
Schritt 9 – Fertige Kerze entformen
Erst wenn das Wachs ausreichend abgekühlt und erstarrt ist, wird die Kerze aus der Silikonform genommen.
Dazu die Form vorsichtig vom Kerzenkörper lösen und die Kerze ohne übermäßige Krafteinwirkung entnehmen.
Anschließend den Docht auf die für die Verwendung vorgesehene Länge kürzen und die Kerze auf sichtbare Fehlstellen prüfen.
Die Silikonform kann nach geeigneter Reinigung und Kontrolle erneut verwendet werden.
4. Anspruchsvollere Kerzenformen
Bei Kerzen mit starken Hinterschneidungen, komplexen Ornamenten oder ausladenden Details reicht eine einfache offene Form möglicherweise nicht aus.
Hier kommen geschlitzte oder zweiteilige Silikonformen infrage.
Variante A – Geschlitzte Silikonform herstellen
Bei Urmodellen mit ausgeprägteren Konturen oder einzelnen Hinterschneidungen kann eine geschlitzte Silikonform sinnvoll sein. Dabei wird zunächst eine einteilige Blockform hergestellt. Nach dem Aushärten wird das Silikon an einer geeigneten Stelle eingeschnitten, um das Entformen zu erleichtern.
Diese Methode eignet sich beispielsweise für dekorative Kerzenfiguren, die sich nicht ohne Weiteres durch die ursprüngliche Gießöffnung herausziehen lassen.

Schritt 1 – Schnittführung planen
Bereits vor dem Silikonverguss festlegen, an welcher Stelle die Form später geöffnet werden soll. Der Schnitt sollte möglichst entlang einer unauffälligen Modellkontur verlaufen, beispielsweise an der Rückseite einer Figur.
Die Schnittführung muss so gewählt werden, dass sich das Urmodell anschließend ohne übermäßige Dehnung oder Beschädigung entnehmen lässt.
Schritt 2 – Silikonblock herstellen
Das Urmodell entsprechend der Anleitung für einteilige Formen in einem dichten Formkasten befestigen und mit Silikon umgießen.
Auf ausreichende Wandstärke achten. Besonders im Bereich des späteren Schnitts darf das Silikon nicht zu dünn sein.
Das Silikon vollständig bis zur erforderlichen Entformungsfestigkeit vernetzen lassen und den Formkasten entfernen.
Schritt 3 – Form vorsichtig einschneiden
Mit einem geeigneten scharfen Schneidwerkzeug die Silikonform entlang der geplanten Linie schrittweise öffnen. Dabei möglichst kontrolliert und mit kurzen Schnitten arbeiten.
Der Schnitt sollte nur so weit geführt werden, wie es für die Entnahme des Urmodells erforderlich ist. Wenn die Geometrie es zulässt, bleibt ein zusammenhängender Silikonbereich als elastisches Scharnier erhalten.
Praxis-Tipp: Eine kontrolliert geführte, leicht unregelmäßige Schnittfläche kann das spätere passgenaue Zusammenfügen erleichtern. Dabei dürfen keine empfindlichen Bereiche des Urmodells beschädigt werden.
Schritt 4 – Urmodell entnehmen
Die Silikonform entlang des Schnitts vorsichtig auseinanderziehen und das Urmodell entnehmen.
Prüfen, ob sich die Form ausreichend weit öffnen lässt und ob die Schnittflächen unbeschädigt sind.
Schritt 5 – Form für den Wachsguss schließen
Vor dem späteren Befüllen die Schnittflächen wieder exakt zusammenführen. Die Form von außen mit einer geeigneten Fixierung sichern, beispielsweise mit einem anliegenden Stützmantel oder einer anderen formschonenden Halterung.
Die Fixierung muss verhindern, dass sich die Schnittflächen unter dem Gewicht des flüssigen Wachses öffnen oder gegeneinander verschieben.
Wichtig: Ein Schnitt kann sich auf der Oberfläche der gegossenen Kerze als feine Naht abzeichnen. Bei stark ausgeprägten Hinterschneidungen oder komplizierten Geometrien kann eine zweiteilige Form die bessere Lösung sein.
Zweiteilige Silikonform herstellen
Für komplexere Urmodelle mit ausgeprägten Hinterschneidungen kann eine zweiteilige Silikonform erforderlich sein. Sie besteht aus zwei getrennten Formhälften, die nacheinander hergestellt und für den späteren Wachsguss passgenau zusammengefügt werden.
Ein typisches Beispiel ist eine dekorative Kerzenfigur mit vorspringenden Armen, Flügeln oder anderen Konturen, die das Entformen aus einer einteiligen Form erschweren.
Die Herstellung erfolgt mit einem geeigneten RTV-2-Silikonkautschuk. Besonders wichtig sind eine sinnvoll gewählte Trennebene, eine sorgfältige Vorbereitung des Urmodells und die zuverlässige Trennung der beiden Silikonhälften.
Benötigte Materialien und Hilfsmittel
- Urmodell: Die Figur oder der Gegenstand, der abgeformt werden soll
- RTV-2-Silikonkautschuk: Geeignetes zweikomponentiges Formsilikon
- Schwefelfreie Modelliermasse: Zum Einbetten des Urmodells und Ausbilden der Trennebene
- Geeignetes Trennmittel: Zur Verhinderung einer Verbindung zwischen den beiden Silikonhälften
- Formkasten: Beispielsweise aus Kunststoffplatten, Holz oder geeigneten Bausteinen
- Waage und Mischbecher: Zum genauen Dosieren und Anmischen des Silikons
- Rührspatel: Zum gründlichen Vermischen der Komponenten
- Modellierwerkzeug: Zum Glätten der Trennebene und Herstellen der Passmarkierungen
Schritt 1 – Trennebene festlegen
Zunächst wird festgelegt, an welcher Stelle das Urmodell in zwei Formhälften aufgeteilt werden soll. Diese gedachte Fläche bezeichnet man als Trennebene.
Die Trennebene sollte so verlaufen, dass sich beide Formhälften später möglichst ohne Beschädigung vom Urmodell und von der gegossenen Kerze abnehmen lassen.
Bei einer dekorativen Figur bietet sich häufig eine Teilung in Vorder- und Rückseite an. Der Verlauf der Trennebene richtet sich jedoch immer nach der Geometrie des Urmodells.
Bereits bei der Planung müssen die spätere Gießöffnung und die Dochtführung berücksichtigt werden. Die Gießöffnung kann beispielsweise an der späteren Standfläche der Kerze vorgesehen werden.
Schritt 2 – Urmodell in Modelliermasse einbetten
Das Urmodell wird in einem ausreichend großen, dichten Formkasten positioniert und bis zur vorgesehenen Trennebene in schwefelfreie Modelliermasse eingebettet.
Die Modelliermasse muss dicht an der Kontur des Urmodells anliegen. Zwischenräume und Unebenheiten sind sorgfältig zu schließen, damit kein flüssiges Silikon unter das Modell gelangen kann.
Anschließend werden rund um das Urmodell mehrere kleine Vertiefungen in die Modelliermasse gedrückt. Diese bilden später die Passmarkierungen, durch die sich beide Silikonhälften exakt zueinander ausrichten lassen.
Die Vertiefungen sollten gleichmäßig verteilt sein und einen ausreichenden Abstand zum Urmodell sowie zum Rand des Formkastens aufweisen.
Schritt 3 – Erste Silikonhälfte herstellen
Vor dem Anmischen wird geprüft, ob das Urmodell und die verwendete Modelliermasse mit dem gewählten Silikon verträglich sind. Falls erforderlich, wird ein geeignetes Trennmittel aufgetragen.
Die beiden Silikonkomponenten werden entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis genau dosiert und gründlich miteinander vermischt. Dabei sollte möglichst wenig Luft eingerührt werden.
Anschließend wird das flüssige Silikon langsam und in einem dünnen Strahl an einer geeigneten Stelle in den Formkasten gegossen. Es verteilt sich über die freiliegende Seite des Urmodells und bildet nach dem Aushärten die erste Formhälfte.
Dabei ist auf eine ausreichende Silikonüberdeckung des Urmodells zu achten.
Die erste Silikonhälfte muss vollständig aushärten. Die erforderliche Aushärtezeit richtet sich nach dem verwendeten Silikon und den Verarbeitungsbedingungen.
Schritt 4 – Modelliermasse entfernen und Trennfläche vorbereiten
Nach dem vollständigen Aushärten wird der Formkasten vorsichtig geöffnet beziehungsweise entfernt.
Der Silikonblock mit dem eingebetteten Urmodell wird gewendet. Anschließend wird die Modelliermasse vollständig entfernt. Das Urmodell verbleibt dabei in der bereits ausgehärteten ersten Silikonhälfte.
Die nun freiliegende Silikonoberfläche bildet die Trennfläche für die zweite Formhälfte. Rückstände der Modelliermasse müssen sorgfältig entfernt werden.
Anschließend wird die ausgehärtete Silikonoberfläche gleichmäßig mit einem geeigneten Silikon-auf-Silikon-Trennmittel behandelt.
Wichtig: Ohne wirksame Trennschicht kann sich das frisch angemischte Silikon mit der bereits ausgehärteten Silikonhälfte verbinden. Die beiden Formhälften lassen sich dann unter Umständen nicht mehr voneinander trennen.
Schritt 5 – Zweite Silikonhälfte herstellen
Der Formkasten wird erneut um die erste Silikonhälfte aufgebaut und sorgfältig abgedichtet.
Nach dem Auftragen und gegebenenfalls Ablüften des Trennmittels wird eine weitere Portion Silikon entsprechend den Herstellerangaben angemischt.
Das flüssige Silikon wird langsam in den Formkasten gegossen, sodass es die noch freiliegende Seite des Urmodells vollständig umschließt.
Dabei entstehen die zweite Formhälfte sowie die zu den vorhandenen Passmarkierungen passenden Gegenkonturen.
Anschließend muss auch die zweite Silikonhälfte vollständig aushärten.
Schritt 6 – Formhälften trennen und Urmodell entnehmen
Nach dem Aushärten wird der Formkasten entfernt. Die beiden Silikonhälften werden vorsichtig entlang der Trennebene voneinander getrennt.
Das Urmodell kann nun entnommen werden.
Anschließend werden beide Formhälften auf vollständige Abformung, saubere Konturen und mögliche Fehlstellen überprüft. Auch die Passmarkierungen müssen sauber ineinandergreifen.
Falls erforderlich, können überstehende Silikonreste vorsichtig entfernt werden.
Schritt 7 – Gießöffnung und Dochtführung vorbereiten
Für den späteren Kerzenguss wird eine ausreichend große Gießöffnung benötigt. Diese kann bereits bei der Herstellung der Form berücksichtigt oder nachträglich an einer geeigneten Stelle eingearbeitet werden.
Bei einer stehenden Kerzenfigur befindet sich die Gießöffnung häufig an der späteren Standfläche. Die Form wird zum Befüllen entsprechend ausgerichtet.
Zusätzlich muss eine geeignete Dochtführung vorgesehen werden. Der Docht wird so positioniert und fixiert, dass er während des Wachsgusses möglichst mittig in der Kerze verläuft.
Je nach Geometrie können zusätzliche Entlüftungsmöglichkeiten erforderlich sein, damit eingeschlossene Luft beim Befüllen entweichen kann.
Schritt 8 – Form zusammensetzen und für den Wachsguss vorbereiten
Vor dem ersten Wachsguss werden beide Formhälften gereinigt und auf Beschädigungen kontrolliert.
Anschließend werden sie mithilfe der Passmarkierungen exakt zusammengefügt und von außen mit geeigneten Hilfsmitteln fixiert. Dabei muss ausreichend Druck ausgeübt werden, damit die Trennebene dicht schließt, ohne die Form zu verformen.
Die zusammengesetzte Silikonform wird standsicher aufgestellt und der Docht in der vorgesehenen Position befestigt.
Nun kann die Form mit geeignetem Kerzenwachs befüllt werden. Dabei sind die zulässige Temperaturbelastung des Silikons sowie die Verarbeitungshinweise des Wachsherstellers zu beachten.
Nach dem vollständigen Erstarren und ausreichenden Abkühlen des Wachses werden die Formhälften vorsichtig geöffnet und die fertige Kerze entnommen.
Hinweise für ein gutes Abformergebnis
- Silikon auswählen: Für Kerzengießformen nur Silikone verwenden, die für den vorgesehenen Temperaturbereich und den Kontakt mit Kerzenwachs geeignet sind.
- Materialverträglichkeit prüfen: Insbesondere additionsvernetzende Silikone können durch bestimmte Stoffe, beispielsweise schwefelhaltige Modelliermassen, in ihrer Aushärtung beeinträchtigt werden.
- Trennmittel richtig einsetzen: Für die Trennung der beiden Silikonhälften ein geeignetes, auf das verwendete Silikon abgestimmtes Trennmittel verwenden.
- Luftblasen vermeiden: Das Silikon sorgfältig mischen und langsam eingießen. Bei detailreichen Urmodellen kann es sinnvoll sein, die Oberfläche zunächst mit einer dünnen Silikonschicht zu benetzen.
- Passmarkierungen vorsehen: Sie erleichtern das exakte Zusammensetzen der Formhälften und reduzieren einen möglichen Versatz an der Trennebene.
- Form ausreichend stabilisieren: Besonders bei größeren oder weicheren Silikonformen kann eine zusätzliche äußere Stützform erforderlich sein, um Verformungen beim Wachsguss zu vermeiden.
5. Häufige Fehler und ihre Ursachen
| Problem | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Luftblasen auf der Kerzenoberfläche | Lufteinschlüsse beim Silikonverguss oder Wachsguss | Urmodell sorgfältig benetzen und kontrolliert eingießen |
| Silikon bleibt klebrig | Mischfehler oder ungünstige Vernetzungsbedingungen | Mischungsverhältnis und Verarbeitungsbedingungen prüfen |
| Kerze lässt sich schwer entformen | Ungeeignete Formteilung oder starke Hinterschneidungen | Formaufbau überarbeiten, gegebenenfalls mehrteilige Form verwenden |
| Wachs tritt aus | Undichte Formöffnung oder Trennebene | Form abdichten und sicher fixieren |
| Kerze wird schief | Unzureichend abgestützte Silikonform | Geeignete Stützform verwenden |
| Docht liegt nicht mittig | Fehlende oder unzureichende Dochtfixierung | Docht an beiden Enden zuverlässig positionieren |
6. KDSV-25 und KDSV-10 im Vergleich
Die folgenden technischen Werte sind vor Veröffentlichung mit den jeweils gültigen R&G-Datenblättern abzugleichen.
| Eigenschaft | KDSV-25 | KDSV-10 |
|---|---|---|
| Shore-A-Härte | 25 ± 2 | 10 ± 2 |
| Reißdehnung | > 480 % | > 640 % |
| Weiterreißwiderstand | > 31 N/mm | > 13 N/mm |
| Charakteristik | Formstabil und weiterreißfest | Besonders weich und dehnfähig |
| Vorgesehene Anwendung | Einfache und klassische Kerzenformen | Komplexe Geometrien mit starken Hinterschneidungen |
Hinweis: Die konkrete Produktauswahl muss anhand der Kerzengeometrie, der vorgesehenen Wachstemperatur und der erforderlichen Formstabilität technisch geprüft werden.
7. Fazit
Mit einem geeigneten Urmodell, sorgfältiger Vorbereitung und dem passenden Silikonkautschuk lassen sich individuelle Kerzenformen herstellen.
Für den Einstieg empfiehlt sich eine einfache, einteilige Form.
Mit etwas Erfahrung können auch komplexere Kerzenmodelle mithilfe geschlitzter oder zweiteiliger Silikonformen umgesetzt werden.
Entscheidend für ein gutes Ergebnis sind die richtige Silikonauswahl, eine geeignete Formkonstruktion und die sorgfältige Vorbereitung des Wachsgusses.
Die passenden Materialien für den Silikonformenbau finden Sie im R&G-Shop.
Weiterführende Informationen
Technischer Hinweis: Vor der erstmaligen Verwendung einer Silikonform mit heißem Wachs müssen die vollständige Vernetzung, die erforderliche Nachlagerung und die thermische Eignung für die vorgesehene Anwendung sichergestellt sein.