Kerzen formen
Kerzenformen aus Silikon selbst herstellen
Mit RTV-2-Silikonkautschuk lassen sich individuelle Gießformen für Kerzen herstellen – von einfachen Stumpenkerzen bis hin zu detailreichen Figuren und dekorativen Motiven. Das elastische Silikon bildet auch feine Oberflächenstrukturen präzise ab und erleichtert das spätere Entformen der Kerzen.
Welche Formkonstruktion geeignet ist, hängt vor allem von der Geometrie des Urmodells ab. Als Urmodell bezeichnet man den Gegenstand, dessen Form mit Silikon abgeformt werden soll.
Welche Arten von Silikonformen gibt es?
- Einteilige Gießform: Für einfache Modelle ohne ausgeprägte Hinterschneidungen, die sich problemlos aus der elastischen Silikonform entnehmen lassen. Besonders gut für Einsteiger geeignet.
- Geschlitzte Gießform: Für Modelle mit komplexeren Konturen oder Hinterschneidungen. Die ausgehärtete Silikonform wird gezielt eingeschnitten, um das Urmodell und später die gegossene Kerze entnehmen zu können.
- Zweiteilige Gießform: Für komplexere Modelle, bei denen eine Trennung in zwei Formhälften das Entformen erleichtert. Die beiden Hälften werden nacheinander hergestellt und beim Kerzengießen passgenau zusammengefügt.
- Mehrteilige Gießform: Für besonders anspruchsvolle Geometrien mit mehreren oder stark ausgeprägten Hinterschneidungen. Die Form besteht aus drei oder mehr passgenauen Einzelteilen.
Was sind Hinterschneidungen?
Hinterschneidungen sind vorspringende oder zurückliegende Bereiche eines Modells, die das Entformen erschweren. Beispiele sind ausladende Arme einer Figur oder stark hervorstehende Verzierungen.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie die verschiedenen Silikonformen hergestellt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung des Urmodells, dem Formenbau und dem sicheren Entformen. Das anschließende Gießen der Kerzen wird ergänzend kurz erläutert.
Weiterführende Informationen finden Sie im R&G-Wiki zum Thema Silikone.
1. Das geeignete Silikon auswählen
Für die Herstellung von Kerzengießformen eignen sich entsprechend geprüfte RTV-2-Silikonkautschuke. Sie bestehen aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen bei Raumtemperatur zu einem elastischen Formwerkstoff vernetzen.
R&G KDSV-25 WEISS
Mit einer Shore-A-Härte von 25 ± 2 bietet KDSV-25 eine Kombination aus Elastizität, Formstabilität und hoher Weiterreißfestigkeit. Das Material eignet sich besonders für einfache und mittelgroße Gießformen.
Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS
R&G KDSV-10 WEISS
Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger. Dadurch kann das Entformen stark hinterschnittener Modelle erleichtert werden. Größere oder dünnwandige Formen können jedoch leichter nachgeben und benötigen gegebenenfalls eine Stützform.
Zum R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS
Technische Eigenschaften im Vergleich
| Eigenschaft | KDSV-25 | KDSV-10 |
|---|---|---|
| Shore-A-Härte | 25 ± 2 | 10 ± 2 |
| Reißdehnung | > 480 % | > 640 % |
| Weiterreißwiderstand | > 31 N/mm | > 13 N/mm |
Hinweis: Ein weicheres Silikon ist nicht automatisch besser für filigrane Formen geeignet. Bei dünnen Stegen und empfindlichen Formbereichen kann eine höhere Weiterreißfestigkeit entscheidend sein. Die Produktauswahl richtet sich daher nach der Formgeometrie und den vorgesehenen Verarbeitungsbedingungen.
Benötigte Materialien und Werkzeuge
- R&G RTV-2-Silikonkautschuk mit zugehörigem Vernetzer
- Geeignetes Urmodell
- Dicht schließender Formkasten, beispielsweise aus Kunststoffplatten
- Geeignete Modellier- oder Dichtmasse
- Präzisionswaage mit ausreichender Auflösung
- Saubere Mischbecher und Rührspatel
- Gegebenenfalls geeignete Versiegelung und Trennmittel
- Schutzhandschuhe und Schutzbrille
- Für geschlitzte Formen: geeignetes scharfes Schneidwerkzeug
- Für zweiteilige Formen: Modelliermasse zum Einbetten und Material zur Herstellung von Passmarken
Weitere Hinweise zur Produktauswahl finden Sie in der R&G-Auswahlhilfe für Silikone.
KDSV-10 WEISS – besonders flexibel
Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger.
Das Material kann bei komplizierten Geometrien und ausgeprägten Hinterschneidungen Vorteile bieten. Aufgrund der geringeren Steifigkeit kann eine zusätzliche Stützform erforderlich sein.
Produkt: R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS
Wichtig: Eine geringere Shore-Härte bedeutet nicht automatisch eine bessere Eignung für filigrane Formen. Auch Weiterreißfestigkeit, Wandstärke und Formgeometrie sind entscheidend.
2. Materialien und Werkzeuge
Für die Herstellung einer einfachen Silikonform werden benötigt:
- R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS einschließlich zugehörigem Vernetzer
- Geeignetes Urmodell
- Dicht schließender Formkasten
- Geeignete Modellier- oder Dichtmasse
- Präzisionswaage
- Sauberer Mischbecher
- Rührspatel
- Gegebenenfalls Versiegelung oder geeignetes Trennmittel
- Schutzhandschuhe und Schutzbrille
Für den anschließenden Kerzenguss:
- Geeignetes Kerzenwachs
- Zum Kerzendurchmesser passender Docht
- Dochtzentrierhilfe
- Geeignetes Wachsschmelzgefäß
- Thermometer
- Gegebenenfalls Stützform oder Formhalterung
3. Schritt für Schritt: Eine einfache Silikonform herstellen
Schritt 1 – Urmodell auswählen und vorbereiten
Einteilige Silikonform herstellen
Eine einteilige Silikonform ist der einfachste Einstieg in den Silikonformenbau. Sie eignet sich besonders für Stumpenkerzen, geometrische Formen und Modelle mit wenigen oder keinen ausgeprägten Hinterschneidungen.
Das Urmodell wird in einem Formkasten befestigt und mit flüssigem Silikon umgossen. Nach dem Aushärten wird das Urmodell entfernt. Zurück bleibt eine elastische Gießform, deren Innenfläche die Konturen des Modells wiedergibt.
Schritt 1 – Urmodell vorbereiten

Für unser Beispiel verwenden wir ein zylindrisches Urmodell mit einem dekorativen Blätterrelief und einer ebenen Standfläche.
Das Urmodell muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein. Saugende Materialien wie Holz oder Gips sollten vor dem Abformen mit einer geeigneten Versiegelung behandelt werden.
Die Oberfläche des Urmodells bestimmt die spätere Oberflächenqualität der Kerze. Kratzer, Unebenheiten und andere Oberflächendetails werden vom Silikon mit abgeformt. Das Urmodell sollte deshalb vor dem Abformen sorgfältig geprüft und gegebenenfalls nachbearbeitet werden.
Bereits bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass sich das Urmodell später aus der elastischen Silikonform entnehmen lässt. Stark vorspringende Details oder ausgeprägte Hinterschneidungen können das Entformen erschweren.
Wichtig: Bei einer einfachen Stumpenkerze wird das Urmodell mit seiner späteren Standfläche am Boden des Formkastens befestigt. Diese Fläche bleibt frei von Silikon und bildet nach dem Entfernen des Urmodells die Gießöffnung.
Schritt 2 – Formkasten aufbauen und Urmodell befestigen

Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses. Er kann beispielsweise aus Kunststoffplatten hergestellt werden. Wichtig sind eine stabile Konstruktion und sorgfältig abgedichtete Verbindungen.
Das Urmodell mittig auf dem Boden des Formkastens positionieren und sicher befestigen. Dabei muss die Verbindung zwischen Urmodell und Boden dicht sein, damit kein Silikon darunterlaufen kann.
Zwischen Urmodell und Formkastenwand sollte ausreichend Platz für stabile Silikonwände bleiben. Für einfache Blockformen können etwa 10–15 mm als erster Planungswert dienen. Bei größeren Formen, ausgeprägten Hinterschneidungen oder weichen Silikonen kann eine größere Wandstärke erforderlich sein.
Auch oberhalb der höchsten Stelle des Urmodells muss ausreichend Silikon vorhanden sein. Für das gezeigte Beispiel ist eine Überdeckung von mindestens etwa 10 mm vorgesehen.
Praxis-Tipp: Vor dem Anmischen des Silikons den Formkasten auf Dichtigkeit prüfen. Bereits kleine Undichtigkeiten können beim Verguss zu Materialverlust führen.
Schritt 3 – Benötigte Silikonmenge bestimmen
Die benötigte Silikonmenge ergibt sich näherungsweise aus dem Innenvolumen des Formkastens abzüglich des Volumens des Urmodells.
Beispiel: Ein Formkasten mit den Innenmaßen 10 × 10 × 12 cm besitzt ein Volumen von 1.200 cm³. Ein zylindrisches Urmodell mit 6 cm Durchmesser und 10 cm Höhe verdrängt etwa 283 cm³. Daraus ergibt sich ein Silikonbedarf von ungefähr 917 cm³.
Zur Umrechnung in Gramm wird das berechnete Volumen mit der Dichte des verwendeten Silikons multipliziert. Zusätzlich sollte eine kleine Materialreserve für Misch- und Gießverluste eingeplant werden.
Hinweis: Bei unregelmäßigen Urmodellen lässt sich deren Volumen nur näherungsweise berechnen. Entscheidend ist, dass ausreichend Silikon für die vollständige Form vorhanden ist.
Schritt 4 – Silikon abwiegen und mischen

Die erforderliche Menge Silikonkautschuk in einen sauberen Mischbecher einwiegen. Anschließend den zugehörigen Vernetzer entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis nach Gewicht dosieren.
Bei KDSV-25 WEISS und KDSV-10 WEISS sind die jeweils vorgesehenen Vernetzerdosierungen und Verarbeitungszeiten dem aktuellen technischen Datenblatt zu entnehmen.
Beide Komponenten langsam und gründlich miteinander vermischen. Dabei auch den Boden und die Wand des Mischbechers erfassen, damit keine unvermischten Bereiche zurückbleiben.
Zu schnelles oder kräftiges Rühren kann zusätzliche Luftblasen in die Mischung eintragen. Die Verarbeitungszeit beginnt mit der Zugabe des Vernetzers.
Praxis-Tipp: Bei besonders detailreichen Urmodellen oder hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität kann eine geeignete Vakuumentlüftung der Silikonmischung sinnvoll sein. Dabei sind das Aufschäumen der Mischung und die verfügbare Verarbeitungszeit zu berücksichtigen.
Schritt 5 – Silikon eingießen

Um Lufteinschlüsse an feinen Reliefstrukturen zu vermeiden, kann das Urmodell zunächst mit einer dünnen Schicht der angemischten Silikonmasse benetzt werden. Hierfür eignet sich beispielsweise ein weicher Pinsel, sofern er mit dem Silikon verträglich ist.
Die restliche Silikonmischung langsam in einem dünnen Strahl an einer möglichst tief gelegenen Stelle neben dem Urmodell eingießen. Das Silikon sollte das Modell nach und nach umfließen und vorhandene Luft verdrängen.
Den Formkasten so weit befüllen, dass das Urmodell vollständig und mit ausreichender Überdeckung von Silikon umgeben ist.
Wichtig: Das Silikon möglichst nicht direkt und mit hohem Druck auf filigrane Details gießen. Dadurch könnten sich Luftblasen festsetzen oder empfindliche Teile des Urmodells verschieben.
Schritt 6 – Silikon aushärten lassen
Den gefüllten Formkasten auf einer ebenen, erschütterungsfreien Unterlage stehen lassen, bis das Silikon ausreichend vernetzt ist.
Die erforderliche Entformungszeit hängt vom Silikontyp, der Vernetzerdosierung und der Umgebungstemperatur ab. Maßgeblich sind die aktuellen R&G-Verarbeitungshinweise.
Die Form erst entnehmen, wenn das Silikon die für das Entformen erforderliche Festigkeit erreicht hat.
Schritt 7 – Form entformen und kontrollieren

Den Formkasten vorsichtig entfernen. Anschließend die elastische Silikonform behutsam vom Urmodell lösen. Bei Bedarf die Formwand leicht nach außen dehnen, ohne das Silikon übermäßig zu belasten.
Das Urmodell nicht gewaltsam herausziehen. Besonders bei Reliefstrukturen und Hinterschneidungen besteht die Gefahr, dass dünne Formbereiche einreißen.
Nach dem Entformen die Silikonform auf Luftblasen, Risse, unvollständig abgeformte Bereiche und andere Fehlstellen kontrollieren.
Wichtig vor dem Wachsguss: Kondensationsvernetzende Silikone müssen nach dem Entformen ausreichend nachvernetzen und auslüften. Bei der Vernetzung entstehende flüchtige Bestandteile müssen entweichen können. Eine zu frühe thermische Belastung kann die Form schädigen. Die erforderlichen Bedingungen richten sich nach dem verwendeten Produkt und der Formdicke.
Praxis-Tipp: Jede Unebenheit des Urmodells wird im Silikon und später auf der Kerzenoberfläche sichtbar. Eine sorgfältige Vorbereitung lohnt sich.
Schritt 2 – Formkasten vorbereiten
Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses.
Das Urmodell wird in einem ausreichend großen, dicht schließenden Formkasten positioniert.
Zwischen Urmodell und Kastenwand muss genügend Platz für eine stabile Silikonwand bleiben.
Für eine einfache, von oben zu entformende Kerze wird das Urmodell so ausgerichtet, dass die spätere Entformungsöffnung zugänglich bleibt.
Die Kontaktstelle zum Kastenboden wird sorgfältig abgedichtet.
Bereits bei der Konstruktion muss berücksichtigt werden, wie die spätere Silikonform befüllt und wie die fertige Kerze entformt werden soll.
Praxis-Tipp: Der Formkasten muss dicht sein. Schon kleine Spalten können dazu führen, dass flüssiges Silikon ausläuft.
Schritt 3 – Silikon abwiegen und mischen
Die beiden Komponenten des Silikonkautschuks werden entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis nach Gewicht abgewogen.
Für KDSV-25 ist ein Mischungsverhältnis von 100 : 2 Gewichtsteilen als Standard angegeben. Produktabhängig ist auch eine Einstellung mit 100 : 3 vorgesehen.
Maßgeblich sind immer die Angaben des aktuellen technischen Datenblatts.
Die Komponenten sorgfältig miteinander vermischen. Dabei auch den Becherboden und die Becherwand erfassen, damit keine unvermischten Bereiche zurückbleiben.
Die angegebene Verarbeitungszeit beginnt mit dem Zusammengeben der Komponenten.
Wichtig: Nur die für das jeweilige Produkt freigegebenen Mischungsverhältnisse verwenden. Die Vernetzermenge darf nicht beliebig verändert werden.
Schritt 4 – Silikon eingießen
Um Lufteinschlüsse an feinen Oberflächenstrukturen zu vermeiden, kann das Urmodell zunächst mit einer dünnen Silikonschicht benetzt werden.
Anschließend wird das restliche Silikon langsam in einem dünnen Strahl an einer geeigneten Stelle des Formkastens eingegossen.
Die Masse soll das Urmodell möglichst gleichmäßig umfließen.
Das Silikon muss das Urmodell ausreichend umschließen. Die erforderliche Materialstärke richtet sich nach der Größe und Geometrie der späteren Form.
Praxis-Tipp: Nicht direkt auf empfindliche Details gießen. Dadurch können Lufteinschlüsse und eine ungleichmäßige Benetzung begünstigt werden.
Schritt 5 – Silikon aushärten lassen
Den gefüllten Formkasten während der Vernetzung möglichst erschütterungsfrei stehen lassen.
Die Entformungszeit hängt vom verwendeten Silikon, dem Mischungsverhältnis und der Umgebungstemperatur ab.
Für KDSV-25 werden je nach Einstellung etwa 3–5 Stunden unter den angegebenen Prüfbedingungen genannt.
Erst nach ausreichender Vernetzung wird der Formkasten geöffnet.
Wichtig: Kondensationsvernetzende Silikone setzen während der Vernetzung flüchtige Spaltprodukte frei.
Vor dem Kontakt mit heißem Wachs müssen diese ausreichend entwichen sein. Die Entformbarkeit allein bedeutet noch nicht, dass die Form bereits thermisch belastet werden darf.
Schritt 6 – Silikonform entformen
Nach ausreichender Vernetzung wird der Formkasten entfernt und das Urmodell vorsichtig aus dem Silikon entnommen.
Die fertige Form wird auf Beschädigungen, Lufteinschlüsse und Verunreinigungen kontrolliert.
Starkes Ziehen oder übermäßiges Dehnen sollte vermieden werden.
Bei komplizierten Geometrien kann eine geschlitzte oder mehrteilige Form erforderlich sein.
Schritt 7 – Dochtführung und Wachsguss vorbereiten
Vor dem Befüllen muss die Silikonform sicher und aufrecht stehen.
Weiche oder schlanke Formen benötigen gegebenenfalls eine passende Stützvorrichtung.
Der Docht wird mittig durch die spätere Kerzenachse geführt und mit einer geeigneten Zentrierhilfe fixiert.
Bei einer Form mit offener Gießseite kann der Docht durch einen geeigneten Führungskanal am geschlossenen Formende geführt werden.
Die Durchführung muss zuverlässig abgedichtet sein, damit kein flüssiges Wachs austritt.
Wichtig: Die genaue Dochtführung muss zur jeweiligen Formkonstruktion passen. Vor dem Wachsguss sollte die Dichtigkeit geprüft werden.
Schritt 8 – Kerzenwachs eingießen
Das Kerzenwachs wird in einem geeigneten Schmelzgefäß kontrolliert erwärmt.
Die zulässigen Schmelz- und Gießtemperaturen richten sich nach dem verwendeten Wachs und den Herstellerangaben.
Das flüssige Wachs vorsichtig in die vorbereitete Silikonform gießen.
Dabei darauf achten, dass der Docht mittig und möglichst gerade bleibt.
Die Form anschließend erschütterungsfrei abkühlen lassen.
Je nach Wachssorte und Kerzengeometrie kann sich beim Abkühlen eine Vertiefung bilden. Ob ein Nachgießen erforderlich ist, hängt vom verwendeten Wachs ab.
Sicherheitshinweis: Wachs nicht unbeaufsichtigt erhitzen. Überhitzung und den Kontakt mit offenen Flammen vermeiden. Geeignete Schutzausrüstung verwenden.
Schritt 9 – Fertige Kerze entformen
Erst wenn das Wachs ausreichend abgekühlt und erstarrt ist, wird die Kerze aus der Silikonform genommen.
Dazu die Form vorsichtig vom Kerzenkörper lösen und die Kerze ohne übermäßige Krafteinwirkung entnehmen.
Anschließend den Docht auf die für die Verwendung vorgesehene Länge kürzen und die Kerze auf sichtbare Fehlstellen prüfen.
Die Silikonform kann nach geeigneter Reinigung und Kontrolle erneut verwendet werden.
4. Anspruchsvollere Kerzenformen
Bei Kerzen mit starken Hinterschneidungen, komplexen Ornamenten oder ausladenden Details reicht eine einfache offene Form möglicherweise nicht aus.
Hier kommen geschlitzte oder zweiteilige Silikonformen infrage.
Variante A – Geschlitzte Silikonform
Bei einer geschlitzten Form wird zunächst ein geeigneter Silikonblock um das Urmodell hergestellt.
Nach vollständiger Vernetzung wird die Form an einer vorher festgelegten Stelle kontrolliert geöffnet.
Die Schnittführung muss so gewählt werden, dass das Urmodell entnommen und die fertige Kerze später möglichst beschädigungsfrei entformt werden kann.
Vor dem Wachsguss werden die Schnittflächen wieder exakt zusammengefügt und die Form von außen gesichert.
Dieses Verfahren kann bei figürlichen Kerzen vorteilhaft sein, erfordert jedoch eine sorgfältige Schnittplanung.
Variante B – Zweiteilige Silikonform
Bei einer zweiteiligen Form wird das Urmodell entlang einer geeigneten Trennebene abgeformt.
Erste Formhälfte herstellen
Das Urmodell wird bis zur vorgesehenen Trennebene in geeignete Modelliermasse eingebettet.
Anschließend wird die erste Silikonhälfte hergestellt.
Passende Registrierpunkte sorgen dafür, dass sich die Formhälften später eindeutig ausrichten lassen.
Zweite Formhälfte herstellen
Nach der Vernetzung wird die Modelliermasse entfernt, während das Urmodell in der ersten Silikonhälfte verbleibt.
Vor dem Verguss der zweiten Hälfte müssen die bereits ausgehärteten Silikonflächen mit einem geeigneten Trennmittel behandelt werden.
Andernfalls können sich die beiden Silikonhälften miteinander verbinden.
Anschließend wird die zweite Hälfte vergossen und ausgehärtet.
Form zusammensetzen
Nach dem Entformen des Urmodells werden die beiden Formhälften gereinigt, exakt ausgerichtet und für den Wachsguss sicher fixiert.
Die Gießöffnung und die Dochtführung müssen bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden.
Wichtig: Eine mehrteilige Form benötigt eine zuverlässige Abdichtung der Trennebene. Andernfalls kann beim Befüllen flüssiges Wachs austreten.
5. Häufige Fehler und ihre Ursachen
| Problem | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Luftblasen auf der Kerzenoberfläche | Lufteinschlüsse beim Silikonverguss oder Wachsguss | Urmodell sorgfältig benetzen und kontrolliert eingießen |
| Silikon bleibt klebrig | Mischfehler oder ungünstige Vernetzungsbedingungen | Mischungsverhältnis und Verarbeitungsbedingungen prüfen |
| Kerze lässt sich schwer entformen | Ungeeignete Formteilung oder starke Hinterschneidungen | Formaufbau überarbeiten, gegebenenfalls mehrteilige Form verwenden |
| Wachs tritt aus | Undichte Formöffnung oder Trennebene | Form abdichten und sicher fixieren |
| Kerze wird schief | Unzureichend abgestützte Silikonform | Geeignete Stützform verwenden |
| Docht liegt nicht mittig | Fehlende oder unzureichende Dochtfixierung | Docht an beiden Enden zuverlässig positionieren |
6. KDSV-25 und KDSV-10 im Vergleich
Die folgenden technischen Werte sind vor Veröffentlichung mit den jeweils gültigen R&G-Datenblättern abzugleichen.
| Eigenschaft | KDSV-25 | KDSV-10 |
|---|---|---|
| Shore-A-Härte | 25 ± 2 | 10 ± 2 |
| Reißdehnung | > 480 % | > 640 % |
| Weiterreißwiderstand | > 31 N/mm | > 13 N/mm |
| Charakteristik | Formstabil und weiterreißfest | Besonders weich und dehnfähig |
| Vorgesehene Anwendung | Einfache und klassische Kerzenformen | Komplexe Geometrien mit starken Hinterschneidungen |
Hinweis: Die konkrete Produktauswahl muss anhand der Kerzengeometrie, der vorgesehenen Wachstemperatur und der erforderlichen Formstabilität technisch geprüft werden.
7. Fazit
Mit einem geeigneten Urmodell, sorgfältiger Vorbereitung und dem passenden Silikonkautschuk lassen sich individuelle Kerzenformen herstellen.
Für den Einstieg empfiehlt sich eine einfache, einteilige Form.
Mit etwas Erfahrung können auch komplexere Kerzenmodelle mithilfe geschlitzter oder zweiteiliger Silikonformen umgesetzt werden.
Entscheidend für ein gutes Ergebnis sind die richtige Silikonauswahl, eine geeignete Formkonstruktion und die sorgfältige Vorbereitung des Wachsgusses.
Die passenden Materialien für den Silikonformenbau finden Sie im R&G-Shop.
Weiterführende Informationen
Technischer Hinweis: Vor der erstmaligen Verwendung einer Silikonform mit heißem Wachs müssen die vollständige Vernetzung, die erforderliche Nachlagerung und die thermische Eignung für die vorgesehene Anwendung sichergestellt sein.