Herstellung eines Kanus durch Handlaminieren: Unterschied zwischen den Versionen

Aus R_G Wiki
Zur Navigation springenZur Suche springen
Hautmann (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Hautmann (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(55 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
<span style="font-size: 18pt;">'''Herstellung eines Kanus durch Handlaminieren'''</span>
<span style="font-size: 18pt;">'''Herstellung eines Kanus durch Handlaminieren'''</span>


&nbsp;
<div style="width: 600px; text-align: left;">&nbsp;


''''Laborpraktikum des Moduls Faserverbund- und Hybridwerkstoffe der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz (PHWT)''''
<span style="font-size: 12pt;">'''Laborpraktikum des Moduls Faserverbund- und Hybridwerkstoffe der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz (PHWT)'''</span>


<br>
<br>
== 1. Vorwort ==
== Vorwort ==


Im Rahmen des dualen Studiums an der PHWT besteht für Studierende der Ingenieurswissenschaften die Möglichkeit, das Wahlfach "Faserverbund- und Hybridwerkstoffe" zu belegen. Teil der Praxisorientierten Ausbildung ist hierbei das Laborpraktikum. In den vergangenen Jahren wurden lediglich kleine Probekörper wie Platten, Winkel oder Kleinstmodelle gefertigt. Im Sommersemester 2024 wurde erstmals der Versuch unternommen, einen 4-Personen-Canadier zu fertigen. Nachdem diese Änderung im Ablauf bekannt gegeben wurde gab es ein ungewöhnlich großes Interesse an dem Modul, sodass letzten Endes 6 Gruppen gebildet wurden, die jeweils ein Kanu gefertigt haben.
Im Rahmen des dualen Studiums an der PHWT besteht für Studierende der Ingenieurs-wissenschaften die Möglichkeit, das Wahlfach "Faserverbund- und Hybridwerkstoffe" zu belegen. Teil der Praxisorientierten Ausbildung ist hierbei das Laborpraktikum. In den vergangenen Jahren wurden lediglich kleine Probekörper wie Platten, Winkel oder Kleinst-modelle gefertigt. Im Sommersemester 2024 wurde erstmals der Versuch unternommen, einen 4-Personen-Canadier zu fertigen. Nachdem diese Änderung im Ablauf bekannt gegeben wurde gab es ein ungewöhnlich großes Interesse an dem Modul, sodass letzten Endes 6 Gruppen gebildet wurden, die jeweils ein Kanu gefertigt haben.
Als Vorlage diente ein "Original"-Vier-Personen-Canadier. Von diesem wurde von den Betreuern zunächst eine Form abgeformt. Dies erfolgte mittels des Vakuum-Infusionsverfahrens, welches in Kapitel Formbau näher erläutert wird. Die eigentlichen Kanus sind dann mittels Handlaminieren mit anschließendem Vakuumpressen hergestellt worden.
Als Vorlage diente ein "Original"-Vier-Personen-Canadier. Von diesem wurde von den Betreuern zunächst eine Form abgeformt. Dies erfolgte mittels des Vakuum-Infusionsverfahrens, welches in Kapitel Formbau näher erläutert wird. Die eigentlichen Kanus sind dann mittels Handlaminieren mit anschließendem Vakuumpressen hergestellt worden.


&nbsp;
&nbsp;
== 2. Arbeitssicherheit und allgemeiner Umgang mit Epoxid-Harz- Systemen ==
== Arbeitssicherheit und allgemeiner Umgang mit Epoxid-Harz- Systemen ==
&nbsp;
Während des gesamten Herstellungsprozesses haben sich die Teilnehmer umsichtig zu verhalten und die folgenden Sicherheitsvorschriften zu berücksichtigen:
Während des gesamten Herstellungsprozesses haben sich die Teilnehmer umsichtig zu verhalten und die folgenden Sicherheitsvorschriften zu berücksichtigen:
Allgemeine Sicherheitsvorkehrungen:
- GHS-Sätze beachten
- Vermeiden Sie den Hautkontakt sowie das Einatmen von Dämpfen.
- Der Konsum von Lebensmitteln oder Getränken am Arbeitsplatz ist untersagt.
- Legen Sie regelmäßig Pausen ein und waschen Sie sich gründlich die Hände.
Schutzausrüstung:
- Schutzbrille tragen.
- Atemschutzmaske verwenden (geeignet für Dämpfe, Stäube je nach Arbeitsschritt).
- Chemikalienbeständige Handschuhe anlegen.
- Lange (enganliegende) Kleidung tragen.
- Bei Verwendung von Lautem Gerät ( z.B. Schleif und Sägearbeiten) ist Gehörschutz zu tragen
Arbeitsumgebung:
- Arbeitsbereich großflächig abdecken
- Arbeiten Sie in einem gut belüfteten Bereich (vorzugsweise in einem Raum mit Abluftsystem oder im Freien).
- Halten Sie den Arbeitsplatz sauber und trocken.
- Stäube umgehend absaugen
Umgang mit Materialien:
- Herstellerangaben zum Umgang und Verwendung (z.B. Mischverhältnisse) der Materialien sind vor Verwendung zu Prüfen
- Verschüttetes Material ist unverzüglich aufzuwischen und ordnungsgemäß zu entsorgen.
Lagerung:
- Bewahren Sie Chemikalien in ihren originalen, fest verschlossenen Behältern auf.
- Lagern Sie diese kühl und trocken, fern von Zündquellen und direkter Sonneneinstrahlung, vorzugsweise in einem hierfür vorgesehenen Gefahrstoffschrank
Entsorgung:
- Entsorgen Sie Reststoffe und Verpackungen entsprechend den lokalen Vorschriften. (zB. Werkstoffhoff bei Gefahrstoffen)
- Geben Sie Chemikalien weder ins Abwasser noch in den Hausmüll.
Erste-Hilfe-Maßnahmen:
- Bei Hautkontakt gründlich mit Wasser und hierfür vorgesehene Seife abwaschen.
o Keine Lösungsmittel verwenden!!! Dies kann zusätzliche Hautiritationen auslösen.
- Bei Augenkontakt die Augen sofort mit reichlich Wasser ausspülen (Augendusche verwenden) und ärztlichen Rat einholen.


==3. Verwendete Materialien ==
'''Allgemeine Sicherheitsvorkehrungen:'''
Harz-Härter-System:
<br>- GHS-Sätze beachten
- Epoxidharz L
<br>- Vermeiden Sie den Hautkontakt sowie das Einatmen von Dämpfen.
- Härter GL1
<br>- Der Konsum von Lebensmitteln oder Getränken am Arbeitsplatz ist untersagt.
- Härter GL2
<br>- Legen Sie regelmäßig Pausen ein und waschen Sie sich gründlich die Hände.
- Formenharz P
 
- Härter P-25
'''<br>Schutzausrüstung:'''
- EP-Gelcoat farblos
<br>- Schutzbrille tragen.
Trennmittel:
<br>- Atemschutzmaske verwenden (geeignet für Dämpfe, Stäube je nach Arbeitsschritt).
- Folientrennmittel PVA,
<br>- Chemikalienbeständige Handschuhe anlegen.
Farben:
<br>- Lange (enganliegende) Kleidung tragen.
- Universal-Epoxid-Farbpaste reinweiß (RAL 9010)
<br>- Bei Verwendung von Lautem Gerät ( z.B. Schleif und Sägearbeiten) ist Gehörschutz zu tragen
- Universal-Epoxid-Farbpaste signalblau (RAL 5005)
 
- Universal-Epoxid-Farbpaste smaragdgrün (RAL 6001)
'''<br>Arbeitsumgebung:'''
- Universal-Epoxid-Farbpaste zinkgelb (RAL 1018)
<br>- Arbeitsbereich großflächig abdecken.
- Universal-Epoxid-Farbpaste silbergrau (RAL 7001)
<br>- Arbeiten Sie in einem gut belüfteten Bereich (vorzugsweise in einem Raum mit Abluftsystem oder im Freien).
- Universal-Epoxid-Farbpaste tiefschwarz (RAL 9005)
<br>- Halten Sie den Arbeitsplatz sauber und trocken.
Fasern:
<br>- Stäube umgehend absaugen
-Triaxiales Gelege (-30/0/30)


Vakuum-Infusions-Aufbau:
'''<br>Umgang mit Materialien:'''
- Drehschieber-Vakuumpumpe VT 4.10
<br>- Herstellerangaben zum Umgang und Verwendung (z.B. Mischverhältnisse) der Materialien sind vor Verwendung zu Prüfen
- Vakuumfolie PO120, 200 cm, Rolle
.<br>- Verschüttetes Material ist unverzüglich aufzuwischen und ordnungsgemäß zu entsorgen.
- Abreißgewebe 64 g/m?
 
- Spiralschlauch (9/12 mm,HDPE)
'''<br>Lagerung:'''
- Pumpenschlauch (Ø 6/8 mm,LD-PE) transparent
<br>- Bewahren Sie Chemikalien in ihren originalen, fest verschlossenen Behältern auf.
- Fließhilfe Dianet 135, Breite 200cm
<br>- Lagern Sie diese kühl und trocken, fern von Zündquellen und direkter Sonneneinstrahlung, vorzugsweise in einem hierfür vorgesehenen Gefahrstoffschrank
- Verbinde
 
- Schlauchklemmen
'''<br>Entsorgung:'''
- Sprühkleber INFUTAC Grün
<br>- Entsorgen Sie Reststoffe und Verpackungen entsprechend den lokalen Vorschriften. (zB. Werkstoffhoff bei Gefahrstoffen)
<br>- Geben Sie Chemikalien weder ins Abwasser noch in den Hausmüll.
 
'''<br>Erste-Hilfe-Maßnahmen:'''
<br>- Bei Hautkontakt gründlich mit Wasser und hierfür vorgesehene Seife abwaschen.
--&gt; Keine Lösungsmittel verwenden!!! Dies kann zusätzliche Hautiritationen auslösen.
<br>- Bei Augenkontakt die Augen sofort mit reichlich Wasser ausspülen (Augendusche verwenden) und ärztlichen Rat einholen.
 
&nbsp;
== Verwendete Materialien ==
'''Harz-Härter-System:'''
<br>- [https://www.r-g.de/art/100133 Epoxidharz L]
<br>- [https://www.r-g.de/art/104095 Härter GL1]
<br>- [https://www.r-g.de/art/104100 Härter GL2]
<br>- [https://www.r-g.de/art/115159 Formenharz P]
<br>- [https://www.r-g.de/art/115163 Härter P-25]
<br>- [https://www.r-g.de/art/120135N EP-Gelcoat farblos]
 
'''<br>Für den Vakuum-Infusions-Aufbau:'''
<br>- [https://www.r-g.de/art/3901031DS Drehschieber-Vakuumpumpe VT 4.10]
<br>- [https://www.r-g.de/art/390175-200 Vakuumfolie PO120, 200 cm, Rolle]
<br>- [https://www.r-g.de/art/190181-100 Abreißgewebe 64 g/m²]
<br>- [https://www.r-g.de/art/390210 Spiralschlauch (9/12 mm, HDPE)]
<br>- [https://www.r-g.de/art/390110 Pumpenschlauch (Ø 6/8 mm,LD-PE) transparent]
<br>- [https://www.r-g.de/art/390183 Fließhilfe Dianet 135, Breite 200 cm]
<br>- Schlauchverbinder<br>
- [https://www.r-g.de/art/390152 Schlauchklemmen]
<br>- Sprühkleber INFUTAC Grün<br>
- Harzfalle
- Harzfalle
- Vakuum-Dichtband GRAU, 3 x 12 mm
<br>- [https://www.r-g.de/art/390170 Vakuum-Dichtband GRAU, 3 x 12 mm]
Formenbau:
 
- Div. Schrauben
'''<br>Für den Formenbau:'''
- Kantholz
<br>- Div. Schrauben
- Doppelseitiges Klebeband
<br>- Kantholz
- Mdf-Platten
<br>- Doppelseitiges Klebeband
<br>- MDF-Platten<br>
- Pappe
- Pappe
Weitere Verbrauchsmaterialien-Werkzeuge:
<br>'''<br>Weitere Verbrauchsmaterialien-Werkzeuge''':
- Persönliche Schutzausrüstung
<br>- Persönliche Schutzausrüstung
- Thixotropiermittel TM 100
<br>- [https://www.r-g.de/art/210122 Thixotropiermittel TM 100]
- Flashtape- Styrodur
<br>- Flashtape<br>- Styrodur
- Winkelbleche
<br>- Winkelbleche
- Gurtband
<br>- Gurtband
- Waage
<br>- Waage
- Uhr
<br>- Uhr
- Rührstab
<br>- Rührstab
- Pinsel
<br>- Pinsel
- Farbrollen
<br>- Farbrollen
- Becher
<br>- Becher<br>
- Putztücher
- Putztücher
- Handschleifer
<br>- Handschleifer
- Stemmeisen
<br>- Stemmeisen<br>
- Messer
- Messer
- Scheren
<br>- Scheren
- Hammer
<br>- Hammer
- Entformungskeile
<br>- Entformungskeile
- Dremel
<br>- Dremel
- Handkreissäge
<br>- Handkreissäge
- Winkelschleifer
<br>- Winkelschleifer
- Akkuschrauber
<br>- Akkuschrauber
- Staubsauger (mit geeignetem Staubfilter)
<br>- Staubsauger (mit geeignetem Staubfilter)
- Kreppband
<br>- Kreppband


== 4. Fertigung ==
&nbsp;
Bevor es ans Glassen geht, musst du alles darunter glatt schleifen und anschleifen. Alle Flächen müssen sauber sein, das heißt, frei von Schleifstaub und Wachsresten. Laminiert wird mit Glasfaser und Epoxidharz. Wir starten mit der Unterseite und einer Lage Glas. Auf der Oberseite des Surfboards nimmst du zwei Lagen. Ich würde folgendes Glas nehmen: [https://www.r-g.de/art/190120 Glasgewebe 163 g/m² Köper]. Dazu das gleiche Epoxidharz HT2 mit Härter&nbsp; [https://www.r-g.de/art/105100 Epoxidharz HT2 mit Härter HT2] .<br>Auf dem Foto zeige ich in Rot den Bereich, auf dem nur noch der Kern zu sehen ist. Der grüne Bereich stellt die Überlappung zum bestehenden Laminat dar. Versuche, mindestens 10 cm Überlappung herzustellen. Nachdem die erste Seite ausgehärtet ist, muss auch hier der Überlappungsbereich angeschliffen werden. <br><br>[[Datei:Surfboard rep. 6.jpg|300px|Datei:Surfboard rep. 6.jpg]] &nbsp; &nbsp;
== Fertigung ==


4.1 Formenbau
=== Formenbau ===
Im Rahmen dieses Arbeitsschritts ist das Ziel, anhand eines Urmodells eine zweigeteilte Form abzuformen, in die anschließend das Bootsmodell laminiert werden kann. Die Notwendigkeit einer zweiteiligen Formgebung ergibt sich aus der Geometrie des Originalboots (Urmodell), welche zu Hinterschnitten führt. Diese Hinterschnitte verhindern ein problemloses Ausformen bei einer ungeteilten Form.
Im Rahmen dieses Arbeitsschritts ist das Ziel, anhand eines Urmodells eine zweigeteilte Form abzuformen, in die anschließend das Bootsmodell laminiert werden kann. Die Notwendigkeit einer zweiteiligen Formgebung ergibt sich aus der Geometrie des Originalboots (Urmodell), welche zu Hinterschnitten führt. Diese Hinterschnitte verhindern ein problemloses Ausformen bei einer ungeteilten Form.
Um zwei separate Formhälften fertigen zu können, welche im späteren Verlauf miteinander verbunden werden können, ist es notwendig, beide Hälften mit einer Krempe zu konstruieren. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Steg längs des Urmodells aufgebracht, der als Stütze dient, um die Krempe anzulaminieren. Des Weiteren wird an der späteren Oberseite der Form eine Kante benötigt, um hier den Vakuumfolienaufbau zu befestigen. Hierzu wird ebenfalls eine Krempe am Dollbord des Urmodells befestigt.
Um zwei separate Formhälften fertigen zu können, welche im späteren Verlauf miteinander verbunden werden können, ist es notwendig, beide Hälften mit einer Krempe zu konstruieren. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Steg längs des Urmodells aufgebracht, der als Stütze dient, um die Krempe anzulaminieren. Des Weiteren wird an der späteren Oberseite der Form eine Kante benötigt, um hier den Vakuumfolienaufbau zu befestigen. Hierzu wird ebenfalls eine Krempe am Dollbord des Urmodells befestigt.


&nbsp;
&nbsp;
<br>[[Datei:PHWT_001.jpg|600px|Datei:PHWT_001.jpg]]


Abbildung 1 Urmodell mit Krempe am Kiel (Pappe) und Dollbord (MDF-Platte)
''Abbildung 1 Urmodell mit Krempe am Kiel (Pappe) und Dollbord (MDF-Platte)''
Aufgrund der unebenen Oberfläche des Urmodells sowie der unbekannten Materialverträglichkeit hinsichtlich Trennmittel und Harz-Härter System wäre selbst bei einer direkten Abformung mittels Formbauharz eine Nachbearbeitung der Oberfläche erforderlich. Um eine Schädigung des Urmodells zu vermeiden, wird auf die Verwendung von Trennmittel verzichtet. Daher erfolgt ein vollständiges Verpacken in Vakuumfolie.
<br><br>Aufgrund der unebenen Oberfläche des Urmodells sowie der unbekannten Materialverträg-lichkeit hinsichtlich Trennmittel und Harz-Härter System wäre selbst bei einer direkten Ab-formung mittels Formbauharz eine Nachbearbeitung der Oberfläche erforderlich. Um eine Schädigung des Urmodells zu vermeiden, wird auf die Verwendung von Trennmittel verzichtet. Daher erfolgt ein vollständiges Verpacken in Vakuumfolie.<br>&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_002.jpg|600px|PHWT_002.jpg]]


Abbildung 2 In Vakuumfolie eingepacktes Urmodell mit vorpräpariertem Vakuumdichtband
''Abbildung 2 In Vakuumfolie eingepacktes Urmodell mit vorpräpariertem Vakuumdichtband''
Im Rahmen der Vorbereitung für den späteren Vakuumaufbau erfolgt im nächsten Schritt die Verklebung des rundumlaufenden Vakuumdichtbands. Wird dieser Schritt vor dem (trockenen) Legen der Fasern durchgeführt, kann gewährleistet werden, dass zumindest auf einer Seite der Klebeverbindung keine Fasern als luftführende Brücken fungieren.
<br><br>Im Rahmen der Vorbereitung für den späteren Vakuumaufbau erfolgt im nächsten Schritt die Verklebung des rundumlaufenden Vakuumdichtbands. Wird dieser Schritt vor dem (trockenen) Legen der Fasern durchgeführt, kann gewährleistet werden, dass zumindest auf einer Seite der Klebeverbindung keine Fasern als luftführende Brücken fungieren.
Im Anschluss erfolgt die Drapierung der Fasern unter Zuhilfenahme von Sprühkleber. Auf die drei Triax-Lagen des Gewebes folgt ein Aufbau aus Abreißgewebe, Lochfolie, Fließhilfe sowie der oberen Lage Vakuumfolie.
Im Anschluss erfolgt die Drapierung der Fasern unter Zuhilfenahme von Sprühkleber. Auf die drei Triax-Lagen des Gewebes folgt ein Aufbau aus Abreißgewebe, Lochfolie, Fließhilfe sowie der oberen Lage Vakuumfolie.


Abbildung 3 Drapierte Faserschicht
&nbsp;
Die Positionierung des Harzeinlaufs erfolgt entlang des Kiels, während die Absaugung mittels mehrerer einzeln schließbarer Ausgänge entlang der Unterseite realisiert wird.
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_003.jpg|600px|file:PHWT_003.jpg]]


Abbildung 4 Links: Infusionsaufbau Harzeinlauf/-auslauf; Recht: abgedeckt mit Vakuumfolie und Vakuum gezogen
''Abbildung 3 Drapierte Faserschicht''
Es wird empfohlen, vor der Vakuumpumpe eine Harzfalle zu installieren, um diese vor Beschädigungen zu schützen. Im Anschluss erfolgt die Infusion mit dem gemäß Anleitung angemischten Harz (Harz L mit Härter GL2). Nach der Aushärtungszeit, welche mindestens 24 Stunden beträgt, erfolgt das Ausformen. Der zuvor beschriebene Aufbau wird für die zweite Formhälfte in identischer Weise wiederholt.
<br><br>Die Positionierung des Harzeinlaufs erfolgt entlang des Kiels, während die Absaugung mittels mehrerer einzeln schließbarer Ausgänge entlang der Unterseite realisiert wird.


Abbildung 5 Drehschieber-Vakuumpumpe VT 4.10 mit vorgeschalteter Harzfalle, Manometer und Belüftungsventil
&nbsp;
Nach Herstellung der beiden Formhälften muss ein Untergestell gebaut werden. Hierzu wird einfaches Kantholz verwendet. Die Verbindung der beiden Formhälften erfolgt durch Verschrauben der jeweiligen Rahmen.
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_004.jpg|600px|PHWT_004.jpg]]
 
''Abbildung 4 Links: Infusionsaufbau Harzeinlauf/-auslauf; rechts: abgedeckt mit Vakuumfolie und Vakuum gezogen''
<br><br>Es wird empfohlen, vor der Vakuumpumpe eine Harzfalle zu installieren, um diese vor Beschädigungen zu schützen. Im Anschluss erfolgt die Infusion mit dem gemäß Anleitung angemischten Harz (Harz L mit Härter GL2). Nach der Aushärtungszeit, welche mindestens 24 Stunden beträgt, erfolgt das Ausformen. Der zuvor beschriebene Aufbau wird für die zweite Formhälfte in identischer Weise wiederholt.
 
&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_005.jpg|300px|PHWT_005.jpg]]
 
''Abbildung 5 Drehschieber-Vakuumpumpe VT 4.10 mit vorgeschalteter Harzfalle, Manometer und Belüftungsventil''
<br><br>Nach Herstellung der beiden Formhälften muss ein Untergestell gebaut werden. Hierzu wird einfaches Kantholz verwendet. Die Verbindung der beiden Formhälften erfolgt durch Verschrauben der jeweiligen Rahmen.
 
&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_006.jpg|600px|PHWT_006.jpg]]


''Abbildung 6 miteinander verschraubte Formhälften mit Holzunterbau''
<br><br>Im nächsten Schritt ist eine Aufarbeitung der Form von innen erforderlich. Zu diesem Zweck müssen zunächst zu große Unregelmäßigkeiten, welche durch die Ursprungsform sowie die darauf befestigte Vakuumfolie entstanden sind, ausgeglichen bzw. teilweise abgeschliffen werden. Auch passen beide Formhälften durch die Verwendung der wenig steifen Papp-krempe nicht besonders gut aneinander.
Das Auffüllen erfolgt mit stark angedicktem Harz L, wobei die Verwendung von Thixotropiermittel TM 100 das wegfließen verhindert. <br>Die manuelle Verarbeitung erlaubt zudem die Verwendung von Härter GL1. An besonders tiefen Beulen erfolgt eine Stabilisierung durch Fasern. An der Verbindungsstelle der Form-hälften wird zunächst Vakuumfolie als Trennschicht auf die eine Hälfte geklebt und die andere an gespachtelt. Anschließend (nach Aushärten) erfolgt ein Wechsel der Aufbau-position, sodass die zunächst angespachtelte Seite abgeklebt wird und die zunächst abgeklebte Seite an gespachtelt wird.
Um eine möglichst ebene Oberfläche zu erhalten, werden die Arbeits-schritte Laminieren und Schleifen mehrfach durchgeführt.


Abbildung 6 miteinander verschraubte Formhälften mit Holzunterbau
&nbsp;
Im nächsten Schritt ist eine Aufarbeitung der Form von innen erforderlich. Zu diesem Zweck müssen zunächst zu große Unregelmäßigkeiten, welche durch die Ursprungsform sowie die darauf befestigte Vakuumfolie entstanden sind, ausgeglichen bzw. teilweise abgeschliffen werden. Auch passen beide Formhälften durch die Verwendung der wenig steifen Pappkrempe nicht besonders gut aneinander.
&nbsp;
Das Auffüllen erfolgt mit stark angedicktem Harz L, wobei die Verwendung von Thixotropiermittel TM 100 das wegfließen verhindert. Die manuelle Verarbeitung erlaubt zudem die Verwendung von Härter GL1. An besonders tiefen Beulen erfolgt eine Stabilisierung durch Fasern. An der Verbindungsstelle der Formhälften wird zunächst Vakuumfolie als Trennschicht auf die eine Hälfte geklebt und die andere an gespachtelt. Anschließend (nach Aushärten) erfolgt ein Wechsel der Aufbauposition, sodass die zunächst angespachtelte Seite abgeklebt wird und die zunächst abgeklebte Seite an gespachtelt wird.
<br>[[file:PHWT_007.jpg|600px|PHWT_007.jpg]]
Um eine möglichst ebene Oberfläche zu erhalten, werden die Arbeitsschritte Laminieren und Schleifen mehrfach durchgeführt.


Abbildung 7 Links: unausgebesserte Form; Mitte: ausgebesserte Form mit Vakuumfolie als Trennebene; Rechts: Detailansicht des Ausgebesserten Buck Bereichs, ebenfalls mit Trennebene, in weiß gut erkennbar die ausgebesserten Bereiche
''Abbildung 7 Links: unausgebesserte Form; Mitte: ausgebesserte Form mit Vakuumfolie als Trennebene; rechts: Detailansicht des Ausgebesserten Buck Bereichs, ebenfalls mit Trennebene, in weiß gut erkennbar die ausgebesserten Bereiche''
Es folgt das Aufbringen des Formbauharzes (Formenharz P + Härter P-25). Auch hier wird im Anschluss geschliffen und beide Schritte ggf. mehrfach wiederholt. Das Vorgehen an der Verbindungskante der Formhälften erfolgt hierbei analog zu der vorangegangenen Ausbesserung.
<br><br>Es folgt das Aufbringen des Formbauharzes (Formenharz P + Härter P-25). Auch hier wird im Anschluss geschliffen und beide Schritte ggf. mehrfach wiederholt. Das Vorgehen an der Verbindungskante der Formhälften erfolgt hierbei analog zu der vorangegangenen Ausbesserung.
 
&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_008.jpg|600px|PHWT_008.jpg]]
 
''Abbildung 8 Mit Formbauharz beschichtete und abgeschliffene Form. Mit stellenweise aufgebrachter zweiter Formbauharzschicht''
 
&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_009.jpg|300px|PHWT_009.jpg]]


Abbildung 8 Mit Formbauharz beschichtete und abgeschliffene Form. Mit stellenweise aufgebrachter zweiter Formbauharzschicht
''Abbildung 9 obere Hälfte: „fertig“ gespachtelt und geschliffene Oberfläche; unten: noch unebene Oberfläche durch die sogar noch der Formunterbau durch scheint''
Abbildung 9 obere Hälfte: „fertig“ gespachtelt und geschliffene Oberfläche; unten: noch unebene Oberfläche durch die sogar noch der Formunterbau durch scheint


4.2 Handlaminieren und Vakuumverpressen
&nbsp;
=== Handlaminieren und Vakuumverpressen ===
Vor Beginn des Laminierprozesses ist eine luftdichte Verbindung der Formhälften erforderlich. Zu diesem Zweck wird Vakuumdichtband zwischen die Formhälften geklebt und im Anschluss von oben mit Flashtape verklebt, um die Fuge luftdicht abzudichten. Im Anschluss wird an der oberen Randfläche
Vor Beginn des Laminierprozesses ist eine luftdichte Verbindung der Formhälften erforderlich. Zu diesem Zweck wird Vakuumdichtband zwischen die Formhälften geklebt und im Anschluss von oben mit Flashtape verklebt, um die Fuge luftdicht abzudichten. Im Anschluss wird an der oberen Randfläche
Kreppband angebracht. Analog zum Formbau um zu gewährleisten das später keine Fasern die Luftdichtigkeit negativ beeinflussen. Im nächsten Schritt wird die zu laminierende Fläche nach zugehöriger Verarbeitungsinformation mit Trennmittel ein getrennt.
Kreppband angebracht. Analog zum Formbau um zu gewährleisten das später keine Fasern die Luftdichtigkeit negativ beeinflussen. Im nächsten Schritt wird die zu laminierende Fläche nach zugehöriger Verarbeitungsinformation mit Trennmittel ein getrennt.


Abbildung 10 Zum laminieren vorbereitete Form, links: Kreppband zum abkleben der Fläche, auf der später das Vakuumdichtband aufgebklebt werden soll; Mitte: der mit Vakuumdichtband und Flashtape abgedichtete Verbindungsspalt
&nbsp;
Im Anschluss an die vorbereitenden Maßnahmen erfolgt die Aufbringung einer Schicht Gelcoat (EP-Gelcoat + GL 1). Der Mischvorgang hat gemäß den Angaben im Datenblatt zu erfolgen; zudem ist eine zusätzliche Farbzugabe (Universal-Epoxid-Farbpaste, 10 % der Gesamtmasse von Harz und Härter) vorzunehmen. Des Weiteren ist es empfehlenswert, eine Testplatte mit dem Gelcoat zu bestreichen, um die Aushärtung zu überwachen (Fingerprobe). Es ist darauf zu achten, dass die Form vollständig in ausreichend großer Dicke mit Gelcoat bedeckt ist, sodass keine freien Stellen mehr sichtbar sind. Im Anschluss ist ein antrocknen der Gelcoat-Schicht erforderlich, bevor mit dem Laminieren begonnen werden kann.
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_010.jpg|600px|PHWT_010.jpg]]
 
''Abbildung 10 Zum Laminieren vorbereitete Form, links: Kreppband zum abkleben der Fläche, auf der später das Vakuumdichtband aufgebklebt werden soll; Mitte: der mit Vakuumdichtband und Flashtape abgedichtete Verbindungsspalt''
<br><br>Im Anschluss an die vorbereitenden Maßnahmen erfolgt die Aufbringung einer Schicht Gelcoat (EP-Gelcoat + GL 1). Der Mischvorgang hat gemäß den Angaben im Datenblatt zu erfolgen; zudem ist eine zusätzliche Farbzugabe (Universal-Epoxid-Farbpaste, 10 % der Gesamtmasse von Harz und Härter) vorzunehmen. Des Weiteren ist es empfehlenswert, eine Testplatte mit dem Gelcoat zu bestreichen, um die Aushärtung zu überwachen (Fingerprobe). Es ist darauf zu achten, dass die Form vollständig in ausreichend großer Dicke mit Gelcoat bedeckt ist, sodass keine freien Stellen mehr sichtbar sind. Im Anschluss ist ein antrocknen der Gelcoat-Schicht erforderlich, bevor mit dem Laminieren begonnen werden kann.
Die Verteilung des Gelcoats erfolgt mittels Pinsel oder Farbrolle. Ist das Harz für die senkrechten Bereiche der Form zu dünnflüssig, kann auch hier mit TM100 angedickt werden.
Die Verteilung des Gelcoats erfolgt mittels Pinsel oder Farbrolle. Ist das Harz für die senkrechten Bereiche der Form zu dünnflüssig, kann auch hier mit TM100 angedickt werden.


&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_011.jpg|300px|PHWT_011.jpg]]


Abbildung 11 Aufgetragener Gelcoat
''Abbildung 11 Aufgetragener Gelcoat''
Im Folgenden soll ein Laminat aus vier Lagen triaxialer Glasfasern erstellt werden, welches im Wechsel laminiert werden soll: zwei Lagen in 0 Grad sowie zwei Lagen in 90 Grad zur Fahrtrichtung des Bootes. Zunächst ist das Epoxidharz mit dem Härter (Harz L + GL2, wegen der Größe wird ausreichend Verarbeitungszeit benötigt) gemäß den Anweisungen des Herstellers exakt zu abzuwiegen und gründlich zu mischen. Das Harz kann für eine einheitlichere Optik ebenfalls durchfärbt werden. Tut man dies nicht, lassen sich im späteren Laminat eingefärbte Markierungsfäden, sowie selbst gesetzte Schnittmarkierungen erkennen.
<br><br>Im Folgenden soll ein Laminat aus vier Lagen triaxialer Glasfasern erstellt werden, welches im Wechsel laminiert werden soll: zwei Lagen in 0 Grad sowie zwei Lagen in 90 Grad zur Fahrt-richtung des Bootes. Zunächst ist das Epoxidharz mit dem Härter (Harz L + GL2, wegen der Größe wird ausreichend Verarbeitungszeit benötigt) gemäß den Anweisungen des Herstellers exakt zu abzuwiegen und gründlich zu mischen. Das Harz kann für eine einheitlichere Optik ebenfalls durchfärbt werden. Tut man dies nicht, lassen sich im späteren Laminat eingefärbte Markierungsfäden, sowie selbst gesetzte Schnittmarkierungen erkennen.
Im Anschluss wird eine Schicht Harz auf die vorbereitete Form aufgetragen, um eine gleichmäßige Basis zu schaffen. Im Anschluss werden die Glasfasermatten in Schichten mit Überlappung auf die mit Harz angefeuchtete Gelcoatschicht aufgelegt. Im Anschluss erfolgt die gleichmäßige Einarbeitung des Harzes in die Glasfasermatten mit einem Pinsel, einer Farbrolle oder einer Walze, bis eine vollständige
Im Anschluss wird eine Schicht Harz auf die vorbereitete Form aufgetragen, um eine gleichmäßige Basis zu schaffen. Im Anschluss werden die Glasfasermatten in Schichten mit Überlappung auf die mit Harz angefeuchtete Gelcoatschicht aufgelegt. Im Anschluss erfolgt die gleichmäßige Einarbei-tung des Harzes in die Glasfasermatten mit einem Pinsel, einer Farbrolle oder einer Walze, bis eine vollständige
Durchtränkung der Fasern erreicht ist. Zur Beseitigung von Luftblasen wird ein vorsichtiger, gleichförmiger Druck mit einer Entlüftungsrolle auf die Oberfläche ausgeübt.
Durchtränkung der Fasern erreicht ist. Zur Beseitigung von Luftblasen wird ein vorsichtiger, gleichförmiger Druck mit einer Entlüftungsrolle auf die Oberfläche aus-geübt.
Bei den nachfolgenden Lagen ist sicherzustellen, dass eine ausreichende Menge an Harz auf der Oberfläche der vorherigen Schicht aufgebracht wird. Es ist zu beachten, dass sich in Radien und Ecken keine Spannungen im Gewebe bilden, da dies ansonsten zu Hohlräumen führt. Zusätzlich ist das Glasfasergewebe ca. 15 cm über den Saum hinaus zu drapieren (trocken). Dieser Überhang wird später benötigt um GFK-Stäbe einzulaminieren. Diese Stangen dienen als Stabilisierung der Bordwand, also als Dollbord.
Bei den nachfolgenden Lagen ist sicherzustellen, dass eine aus-reichende Menge an Harz auf der Oberfläche der vorherigen Schicht aufgebracht wird. Es ist zu beachten, dass sich in Radien und Ecken keine Spannungen im Gewebe bilden, da dies ansonsten zu Hohl-räumen führt. Zusätzlich ist das Glasfasergewebe ca. 15 cm über den Saum hinaus zu dra-pieren (trocken). Dieser Überhang wird später benötigt um GFK-Stäbe einzulaminieren. Diese Stangen dienen als Stabilisierung der Bordwand, also als Dollbord.


&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_012.jpg|600px|PHWT_012.jpg]]


Abbildung 12 links: Legen der ersten Lage (quer) auf den Gelcoat; rechts: ungefärbte dritte Lage(quer) mit deutlich zu erkennenden Markierungsfäden der ersten beiden Lagen (quer, längs)
''Abbildung 12 links: Legen der ersten Lage (quer) auf den Gelcoat; rechts: ungefärbte dritte Lage(quer) mit deutlich zu erkennenden Markierungsfäden der ersten beiden Lagen (quer, längs)''


Abbildung 13 Einlaminieren des Verstärkungsstabs unter den Überhang
&nbsp;
Im Anschluss erfolgt der Aufbau für das Vakuumverpressen in analoger Weise zum Aufbau des Vakuuminfusionsverfahrens. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Fließhilfe durch ein
&nbsp;
Vlies ersetzt wird. Es ist zu beachten, dass das Abreißgewebe möglichst eben aufliegt. Eine Faltenbildung kann zu einem Überlappen der Faserverstärkung über das Abreißgewebe führen, was eine spätere vollständige Entfernung des Abreißgewebes erschwert. Es ist darauf zu achten, dass das Abreißgewebe, die Lochfolie, das Vlies und die Vakuumfolie möglichst rutschfrei und spannungsfrei drapiert werden. Eine "Brückenbildung" führt zu einer mangelhaften Verdichtung des GFK an dieser Stelle.
<br>[[file:PHWT_013.jpg|600px|PHWT_013.jpg]]


Abbildung 14 Fehlerbild: Wegen überlappen von Faserverstärkung über das Abreißgewebe nicht vollständig entfernbares Abreißgewebe, sowie vom Saum heruntergerutschte GFK-Stabverstärkung. Es wurde beim Vakuumziehiehen nicht ausreichend darauf geachtet, dass sich das Gewebe nicht verschiebt
''Abbildung 13 Einlaminieren des Verstärkungsstabs unter den Überhang''
Bei der unvorteilhaften Form des Kanus kann die Verdichtung des GFK durch das Einbringen kleiner Entlastungslaschen und großer Taschen in der Vakuumfolie verbessert werden. Die Taschen an Bug und Heck werden dann in die Form hinein gefaltet. Im Anschluss wird die Vakuumfolie mit Flashtape an den zuvor durch das Kreppband geschützten Bereichen der Form abgedichtet.
<br><br>Im Anschluss erfolgt der Aufbau für das Vakuumverpressen in analoger Weise zum Aufbau des Vakuuminfusionsverfahrens. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Fließhilfe durch ein
Vlies ersetzt wird. Es ist zu beachten, dass das Abreißgewebe möglichst eben aufliegt. Eine Faltenbildung kann zu einem Überlappen der Faserverstärkung über das Abreißgewebe führen, was eine spätere vollständige Entfernung des Abreißgewebes er-schwert. Es ist darauf zu achten, dass das Abreißgewebe, die Lochfolie, das Vlies und die Vakuumfolie möglichst rutschfrei und spannungsfrei drapiert werden. Eine "Brückenbildung" führt zu einer mangelhaften Verdichtung des GFK an dieser Stelle.


Abbildung 15 Links: Entlastungsschlaufen; Rechts: Ins Boot gefaltete Tasche
&nbsp;
Vakuumziehen erfolgt über 4 Anschlüsse unter denen jeweils ein ca. 10 cm x 10cm großes Stück Fließhilfe positioniert wird. Die Vakuumstutzen werden entlang der Längsachse des Kanus positioniert. Im Anschluss werden die Luftanschlüsse mit Schläuchen verbunden und zur Vakuumpumpe geführt. Zwischen dem Kanu und der Vakuumpumpe wird eine Harzfalle installiert, um ein Eindringen von Harz in die Pumpe zu verhindern.
&nbsp;
Das Vakuum wird für die Dauer des Aushärtens gehalten.
<br>[[file:PHWT_014.jpg|300px|PHWT_014.jpg]]


Abbildung 16 Anschluss
''Abbildung 14 Fehlerbild: Wegen Überlappen von Faserverstärkung über das Abreißgewebe nicht vollständig entfernbares Abreißgewebe, sowie vom Saum heruntergerutschte GFK-Stabverstärkung. Es wurde beim Vakuumziehiehen nicht ausreichend darauf geachtet, dass sich das Gewebe nicht verschiebt''
4.3 Entformen und Nacharbeiten
<br><br>Bei der unvorteilhaften Form des Kanus kann die Verdichtung des GFK durch das Einbringen kleiner Entlastungslaschen und großer Taschen in der Vakuumfolie verbessert werden. Die Taschen an Bug und Heck werden dann in die Form hinein gefaltet. Im Anschluss wird die Vakuumfolie mit Flashtape an den zuvor durch das Kreppband geschützten Bereichen der Form abgedichtet.
Im Anschluss an den Laminierprozess sowie das Aushärten im Vakuum erfolgt die Entfernung der Vakuumschläuche, der Luftanschlüsse sowie der Vakuumfolie. Im darauffolgenden Schritt wird die Lochfolie gemeinsam mit dem Vlies vom Rest des Kanus abgelöst, wobei das Abreißgewebe zum Einsatz kommt.
Das eigentliche Entformen erfolgt unter zu Hilfenahme von Keilen und Druckluft. Hierzu werden die Beiden Formhälften voneinander gelöst (alle Schrauben entfernen). Keile vorsichtig an der Oberkante der Form zwischen Boot und Form getrieben und anschließend mit Druckluft versucht das Boot anzuheben.


Abbildung 17 Entformungskeile zwischen Form und Bootswand
&nbsp;
Die Form ist im Anschluss mechanisch von Gelcoatresten sowie Flashtape und Vakuumdichtband zu säubern.
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_015.jpg|600px|PHWT_015.jpg]]


Abbildung 18 Entformtes Boot mit gereinigter Form
''Abbildung 15 Links: Entlastungsschlaufen; Rechts: Ins Boot gefaltete Tasche''
Nach dem Ausformen lassen sich Fehlerbilder erkennen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Gewebe zu stark gespannt wurde. In der Folge bildet sich eine Luftblase zwischen dem Gewebe und dem Gelcoat. An diesen Stellen ist die Haftung nicht gegeben, sodass es zu einer Ablösung des Materials kommt. Eine nachträgliche Bearbeitung ist erforderlich. Hierzu ist das gesamte brüchige und lose Material zu entfernen. Im Anschluss kann das Aufbringung des Gelcoats erfolgen. Nach dem Aushärten kann eine einheitliche Oberfläche durch Schleifen und Polieren des Boots erzielt werden.
<br><br>Vakuumziehen erfolgt über 4 Anschlüsse unter denen jeweils ein ca. 10 cm x 10cm großes Stück Fließhilfe positioniert wird. Die Vakuumstutzen werden entlang der Längsachse des Kanus positioniert. Im Anschluss werden die Luftanschlüsse mit Schläuchen verbunden und zur Vakuumpumpe geführt. Zwischen dem Kanu und der Vakuumpumpe wird eine Harzfalle installiert, um ein Eindringen von Harz in die Pumpe zu verhindern.
Das Vakuum wird für die Dauer des Aushärtens gehalten.


&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_016.jpg|600px|PHWT_016.jpg]]


Abbildung 19 Gelcoat-Abplatzer am Ausgeformten Boot
''Abbildung 16 Anschluss''
4.4 Bootsausbau
In Anlehnung an das Originalkanu erfolgt zunächst die Fertigung der vier Sitze. In einem ersten Schritt ist der entsprechende Rahmen zu konstruieren, welcher im Anschluss mit Gurtband bespannt wird. Anschließend werden die verwobenen Gurte fest getackert und die Schnittenden verschmolzen, um ein Ausfransen der Materialien zu verhindern.


Abbildung 20 unbespannte und bespannte Sitzgestelle
&nbsp;
Die Montage erfolgt mit Winkeln an der Bootswand. Zusätzlich können die Sitze mittig abgestützt werden.
===  Entformen und Nacharbeiten ===
Im Anschluss an den Laminierprozess sowie das Aushärten im Vakuum erfolgt die Entfernung der Vakuumschläuche, der Luftanschlüsse sowie der Vakuumfolie. Im darauffolgenden Schritt wird die Lochfolie gemeinsam mit dem Vlies vom Rest des Kanus abgelöst, wobei das Abreiß-gewebe zum Einsatz kommt.
Das eigentliche Entformen erfolgt unter zu Hilfenahme von Keilen und Druckluft. Hierzu werden die Beiden Formhälften voneinander gelöst (alle Schrauben entfernen). Keile vorsichtig an der Oberkante der Form zwischen Boot und Form getrieben und anschließend mit Druckluft versucht das Boot anzuheben.


&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_017_1.jpg|600px|PHWT_017.jpg]]


=== Material ===
''Abbildung 17 Entformungskeile zwischen Form und Bootswand''
<p>Je nachdem, wie groß dein Board wird und wie sparsam du arbeitest, benötigst du etwa 1-2 kg Harz (+Härter) pro Board. Beim Glas hängt es davon ab, wie viele Lagen du verwenden willst und wie lang dein Board ist. Bei meinem (5’8 mit einer Lage unten und 2 Lagen oben) brauche ich ca. 5-6 Meter. Achte darauf, dass dein Gewebe auch breit genug ist. Hier sind die Links zu den Materialien, die ich verwende und empfehlen kann:</p>
<br><br>Die Form ist im Anschluss mechanisch von Gelcoatresten sowie Flashtape und Vakuumdichtband zu säubern.
<div id="wp-block-themeisle-blocks-button-group-cec655d4" class="wp-block-themeisle-blocks-button-group wp-block-buttons"><div id="wp-block-themeisle-blocks-button-f73a77e7" class="wp-block-themeisle-blocks-button wp-block-button">[https://www.r-g.de/art/105100 Epoxidharz HT2 mit Härter HT2]


[https://www.r-g.de/art/105104 Epoxidharz HT2]
&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_018.jpg|600px|PHWT_018.jpg]]


[https://www.r-g.de/art/105109 Härter HT2]
''Abbildung 18 Entformtes Boot mit gereinigter Form''
<br><br>Nach dem Ausformen lassen sich Fehlerbilder erkennen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Gewebe zu stark gespannt wurde. In der Folge bildet sich eine Luftblase zwischen dem Gewebe und dem Gelcoat. An diesen Stellen ist die Haftung nicht gegeben, sodass es zu einer Ablösung des Materials kommt. Eine nachträgliche Bearbeitung ist erforderlich. Hierzu ist das gesamte brüchige und lose Material zu entfernen. Im Anschluss kann das Aufbringung des Gelcoats erfolgen. Nach dem Aushärten kann eine einheitliche Oberfläche durch Schleifen und Polieren des Boots erzielt werden.


[https://www.r-g.de/art/190120 Glasgewebe 163 g/m² Köper]</div></div>
&nbsp;
&nbsp;
=== Laminieren ===
&nbsp;
Nun geht es ans Laminieren – genauer gesagt ans Handlaminieren. Das bedeutet das Tränken des Glasgewebes mit dem Harz. Dazu benutzt du am besten eine weiche Plastikspachtel und einen Pinsel. Bevor du das Glas ausbreitest, streiche den Kern mit Harz leicht ein, auch die Kanten und die Unterseite, soweit wie du das Glas dann umlegst.
<br>[[file:PHWT_019.jpg|600px|PHWT_019.jpg]]


Dann beginnst du mit den Verstärkungen. Lege sie auf die gewünschte Stelle und streiche dann das Harz immer nach außen in das Gewebe ein. Erst wenn das Glas voll getränkt ist, lege die nächste Schicht darüber. Schütte etwas Harz auf das ausgebreitete Glas und verteile es mit gleichmäßigen Wischen über das Board. Die Kanten sind das Schwierigste. Nur wenn das Glas gut mit Harz getränkt ist, lassen sie sich schön um die Rails ziehen und bleiben auch haften. Das Glasgewebe soll einheitlich transparent erscheinen und soll auch nur wenig überschüssiges Harz auf der Oberfläche haben. Beobachte das Board etwas, ob sich auch keine Blasen bilden, und streiche überschüssiges Harz ab.
''Abbildung 19 Gelcoat-Abplatzer am Ausgeformten Boot''


Wenn die erste Seite getrocknet ist, geht es ans Schleifen. Vorsicht, abstehende Fasern sind jetzt sehr spitz. Hast du sauber gearbeitet, wirst du wenig zu schleifen haben. Es geht darum, den Überlappungsbereich von Unebenheiten zu reinigen und durch das Anschleifen eine gute Haftung zu bekommen. Man kann auch mit einem Klebeband den Rest des Boards schützen. Das kann aber auch zu mehr Arbeit führen. Dann geht es an die Oberseite. Hier wiederholst du alle Schritte der Unterseite, jedoch mit zwei durchgängigen Lagen Glasgewebe.
&nbsp;
=== Bootsausbau ===
In Anlehnung an das Originalkanu erfolgt zunächst die Fertigung der vier Sitze. In einem ersten Schritt ist der entsprechende Rahmen zu konstruieren, welcher im Anschluss mit Gurtband bespannt wird. Anschließend werden die verwobenen Gurte fest getackert und die Schnittenden verschmolzen, um ein Ausfransen der Materialien zu verhindern.


<br>
&nbsp;
&nbsp;
<br>[[file:PHWT_020.jpg|600px|PHWT_020.jpg]]


[[Datei:Schritt4 Lam01.jpeg|300px|Datei:Schritt4 Lam01.jpeg]] [[Datei:Schritt4 Lam02.jpeg|300px|Datei:Schritt4 Lam02.jpeg]] [[Datei:Schritt4 Lam03.jpeg|300px|Datei:Schritt4 Lam03.jpeg]] &nbsp;
''Abbildung 20 unbespannte und bespannte Sitzgestelle''


&nbsp;
Die Montage erfolgt mit Winkeln an der Bootswand. Zusätzlich können die Sitze mittig abgestützt werden.
== Schritt 5: Top Coat und schleifen ==
Damit das Surfboard auch wieder gut und wie neu ausschaut, kommt zum Schluss noch eine Top-Coat-Schicht drauf. Das heißt, noch einmal mit Harz einstreichen, um es wirklich dicht zu machen und alle Unebenheiten zu schließen. Es muss wieder zuerst die eine und danach die andere Seite gemacht werden. Dazwischen muss das Harz aushärten und dann angeschliffen werden, wenn neues Harz draufkommt. Auch das ausgehärtete Glas muss angeschliffen werden, bevor das Harz draufkommt. Das Epoxidharz wird am besten mit einem Pinsel verstrichen (kreuzförmig). Nach dem Aushärten kann es fein verschliffen werden. Nassschleifen ist hier besonders geeignet. Wer es wirklich perfekt haben will, kann das Surfboard noch mit Farbe oder Klarlack ansprühen.
 
Viel Erfolg beim Repariere von deinem gebrochenen Surfboard. Ich hoffe du hast noch lange Freude mit deinem Board. Bei Fragen oder Anmerkungen schreib mir gerne ein Kommentar weiter unten.


&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;
<br><br>Das PDF zum Download finden Sie [https://www.r-g.de/files/kundenprojekte/Laborpraktikum_PHWT.pdf hier]</div>
* Weitere spannende Projekte und Berichte von Thomas Kargl finden sie auf seiner [https://thomaskargl.at/ Hompage].

Aktuelle Version vom 30. April 2026, 13:13 Uhr

Herstellung eines Kanus durch Handlaminieren

 

Laborpraktikum des Moduls Faserverbund- und Hybridwerkstoffe der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz (PHWT)


Vorwort

Im Rahmen des dualen Studiums an der PHWT besteht für Studierende der Ingenieurs-wissenschaften die Möglichkeit, das Wahlfach "Faserverbund- und Hybridwerkstoffe" zu belegen. Teil der Praxisorientierten Ausbildung ist hierbei das Laborpraktikum. In den vergangenen Jahren wurden lediglich kleine Probekörper wie Platten, Winkel oder Kleinst-modelle gefertigt. Im Sommersemester 2024 wurde erstmals der Versuch unternommen, einen 4-Personen-Canadier zu fertigen. Nachdem diese Änderung im Ablauf bekannt gegeben wurde gab es ein ungewöhnlich großes Interesse an dem Modul, sodass letzten Endes 6 Gruppen gebildet wurden, die jeweils ein Kanu gefertigt haben. Als Vorlage diente ein "Original"-Vier-Personen-Canadier. Von diesem wurde von den Betreuern zunächst eine Form abgeformt. Dies erfolgte mittels des Vakuum-Infusionsverfahrens, welches in Kapitel Formbau näher erläutert wird. Die eigentlichen Kanus sind dann mittels Handlaminieren mit anschließendem Vakuumpressen hergestellt worden.

 

Arbeitssicherheit und allgemeiner Umgang mit Epoxid-Harz- Systemen

  Während des gesamten Herstellungsprozesses haben sich die Teilnehmer umsichtig zu verhalten und die folgenden Sicherheitsvorschriften zu berücksichtigen:

Allgemeine Sicherheitsvorkehrungen:
- GHS-Sätze beachten
- Vermeiden Sie den Hautkontakt sowie das Einatmen von Dämpfen.
- Der Konsum von Lebensmitteln oder Getränken am Arbeitsplatz ist untersagt.
- Legen Sie regelmäßig Pausen ein und waschen Sie sich gründlich die Hände.


Schutzausrüstung:

- Schutzbrille tragen.
- Atemschutzmaske verwenden (geeignet für Dämpfe, Stäube je nach Arbeitsschritt).
- Chemikalienbeständige Handschuhe anlegen.
- Lange (enganliegende) Kleidung tragen.
- Bei Verwendung von Lautem Gerät ( z.B. Schleif und Sägearbeiten) ist Gehörschutz zu tragen


Arbeitsumgebung:

- Arbeitsbereich großflächig abdecken.
- Arbeiten Sie in einem gut belüfteten Bereich (vorzugsweise in einem Raum mit Abluftsystem oder im Freien).
- Halten Sie den Arbeitsplatz sauber und trocken.
- Stäube umgehend absaugen


Umgang mit Materialien:

- Herstellerangaben zum Umgang und Verwendung (z.B. Mischverhältnisse) der Materialien sind vor Verwendung zu Prüfen .
- Verschüttetes Material ist unverzüglich aufzuwischen und ordnungsgemäß zu entsorgen.


Lagerung:

- Bewahren Sie Chemikalien in ihren originalen, fest verschlossenen Behältern auf.
- Lagern Sie diese kühl und trocken, fern von Zündquellen und direkter Sonneneinstrahlung, vorzugsweise in einem hierfür vorgesehenen Gefahrstoffschrank


Entsorgung:

- Entsorgen Sie Reststoffe und Verpackungen entsprechend den lokalen Vorschriften. (zB. Werkstoffhoff bei Gefahrstoffen)
- Geben Sie Chemikalien weder ins Abwasser noch in den Hausmüll.


Erste-Hilfe-Maßnahmen:

- Bei Hautkontakt gründlich mit Wasser und hierfür vorgesehene Seife abwaschen. --> Keine Lösungsmittel verwenden!!! Dies kann zusätzliche Hautiritationen auslösen.
- Bei Augenkontakt die Augen sofort mit reichlich Wasser ausspülen (Augendusche verwenden) und ärztlichen Rat einholen.

 

Verwendete Materialien

Harz-Härter-System:
- Epoxidharz L
- Härter GL1
- Härter GL2
- Formenharz P
- Härter P-25
- EP-Gelcoat farblos


Für den Vakuum-Infusions-Aufbau:

- Drehschieber-Vakuumpumpe VT 4.10
- Vakuumfolie PO120, 200 cm, Rolle
- Abreißgewebe 64 g/m²
- Spiralschlauch (9/12 mm, HDPE)
- Pumpenschlauch (Ø 6/8 mm,LD-PE) transparent
- Fließhilfe Dianet 135, Breite 200 cm
- Schlauchverbinder
- Schlauchklemmen
- Sprühkleber INFUTAC Grün
- Harzfalle
- Vakuum-Dichtband GRAU, 3 x 12 mm


Für den Formenbau:

- Div. Schrauben
- Kantholz
- Doppelseitiges Klebeband
- MDF-Platten
- Pappe

Weitere Verbrauchsmaterialien-Werkzeuge
:
- Persönliche Schutzausrüstung
- Thixotropiermittel TM 100
- Flashtape
- Styrodur
- Winkelbleche
- Gurtband
- Waage
- Uhr
- Rührstab
- Pinsel
- Farbrollen
- Becher
- Putztücher
- Handschleifer
- Stemmeisen
- Messer
- Scheren
- Hammer
- Entformungskeile
- Dremel
- Handkreissäge
- Winkelschleifer
- Akkuschrauber
- Staubsauger (mit geeignetem Staubfilter)
- Kreppband

 

Fertigung

Formenbau

Im Rahmen dieses Arbeitsschritts ist das Ziel, anhand eines Urmodells eine zweigeteilte Form abzuformen, in die anschließend das Bootsmodell laminiert werden kann. Die Notwendigkeit einer zweiteiligen Formgebung ergibt sich aus der Geometrie des Originalboots (Urmodell), welche zu Hinterschnitten führt. Diese Hinterschnitte verhindern ein problemloses Ausformen bei einer ungeteilten Form. Um zwei separate Formhälften fertigen zu können, welche im späteren Verlauf miteinander verbunden werden können, ist es notwendig, beide Hälften mit einer Krempe zu konstruieren. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Steg längs des Urmodells aufgebracht, der als Stütze dient, um die Krempe anzulaminieren. Des Weiteren wird an der späteren Oberseite der Form eine Kante benötigt, um hier den Vakuumfolienaufbau zu befestigen. Hierzu wird ebenfalls eine Krempe am Dollbord des Urmodells befestigt.

   
Datei:PHWT_001.jpg

Abbildung 1 Urmodell mit Krempe am Kiel (Pappe) und Dollbord (MDF-Platte)

Aufgrund der unebenen Oberfläche des Urmodells sowie der unbekannten Materialverträg-lichkeit hinsichtlich Trennmittel und Harz-Härter System wäre selbst bei einer direkten Ab-formung mittels Formbauharz eine Nachbearbeitung der Oberfläche erforderlich. Um eine Schädigung des Urmodells zu vermeiden, wird auf die Verwendung von Trennmittel verzichtet. Daher erfolgt ein vollständiges Verpacken in Vakuumfolie.
   
PHWT_002.jpg

Abbildung 2 In Vakuumfolie eingepacktes Urmodell mit vorpräpariertem Vakuumdichtband

Im Rahmen der Vorbereitung für den späteren Vakuumaufbau erfolgt im nächsten Schritt die Verklebung des rundumlaufenden Vakuumdichtbands. Wird dieser Schritt vor dem (trockenen) Legen der Fasern durchgeführt, kann gewährleistet werden, dass zumindest auf einer Seite der Klebeverbindung keine Fasern als luftführende Brücken fungieren. Im Anschluss erfolgt die Drapierung der Fasern unter Zuhilfenahme von Sprühkleber. Auf die drei Triax-Lagen des Gewebes folgt ein Aufbau aus Abreißgewebe, Lochfolie, Fließhilfe sowie der oberen Lage Vakuumfolie.

   
file:PHWT_003.jpg

Abbildung 3 Drapierte Faserschicht

Die Positionierung des Harzeinlaufs erfolgt entlang des Kiels, während die Absaugung mittels mehrerer einzeln schließbarer Ausgänge entlang der Unterseite realisiert wird.

   
PHWT_004.jpg

Abbildung 4 Links: Infusionsaufbau Harzeinlauf/-auslauf; rechts: abgedeckt mit Vakuumfolie und Vakuum gezogen

Es wird empfohlen, vor der Vakuumpumpe eine Harzfalle zu installieren, um diese vor Beschädigungen zu schützen. Im Anschluss erfolgt die Infusion mit dem gemäß Anleitung angemischten Harz (Harz L mit Härter GL2). Nach der Aushärtungszeit, welche mindestens 24 Stunden beträgt, erfolgt das Ausformen. Der zuvor beschriebene Aufbau wird für die zweite Formhälfte in identischer Weise wiederholt.

   
PHWT_005.jpg

Abbildung 5 Drehschieber-Vakuumpumpe VT 4.10 mit vorgeschalteter Harzfalle, Manometer und Belüftungsventil

Nach Herstellung der beiden Formhälften muss ein Untergestell gebaut werden. Hierzu wird einfaches Kantholz verwendet. Die Verbindung der beiden Formhälften erfolgt durch Verschrauben der jeweiligen Rahmen.

   
PHWT_006.jpg

Abbildung 6 miteinander verschraubte Formhälften mit Holzunterbau

Im nächsten Schritt ist eine Aufarbeitung der Form von innen erforderlich. Zu diesem Zweck müssen zunächst zu große Unregelmäßigkeiten, welche durch die Ursprungsform sowie die darauf befestigte Vakuumfolie entstanden sind, ausgeglichen bzw. teilweise abgeschliffen werden. Auch passen beide Formhälften durch die Verwendung der wenig steifen Papp-krempe nicht besonders gut aneinander. Das Auffüllen erfolgt mit stark angedicktem Harz L, wobei die Verwendung von Thixotropiermittel TM 100 das wegfließen verhindert.
Die manuelle Verarbeitung erlaubt zudem die Verwendung von Härter GL1. An besonders tiefen Beulen erfolgt eine Stabilisierung durch Fasern. An der Verbindungsstelle der Form-hälften wird zunächst Vakuumfolie als Trennschicht auf die eine Hälfte geklebt und die andere an gespachtelt. Anschließend (nach Aushärten) erfolgt ein Wechsel der Aufbau-position, sodass die zunächst angespachtelte Seite abgeklebt wird und die zunächst abgeklebte Seite an gespachtelt wird. Um eine möglichst ebene Oberfläche zu erhalten, werden die Arbeits-schritte Laminieren und Schleifen mehrfach durchgeführt.

   
PHWT_007.jpg

Abbildung 7 Links: unausgebesserte Form; Mitte: ausgebesserte Form mit Vakuumfolie als Trennebene; rechts: Detailansicht des Ausgebesserten Buck Bereichs, ebenfalls mit Trennebene, in weiß gut erkennbar die ausgebesserten Bereiche

Es folgt das Aufbringen des Formbauharzes (Formenharz P + Härter P-25). Auch hier wird im Anschluss geschliffen und beide Schritte ggf. mehrfach wiederholt. Das Vorgehen an der Verbindungskante der Formhälften erfolgt hierbei analog zu der vorangegangenen Ausbesserung.

   
PHWT_008.jpg

Abbildung 8 Mit Formbauharz beschichtete und abgeschliffene Form. Mit stellenweise aufgebrachter zweiter Formbauharzschicht

   
PHWT_009.jpg

Abbildung 9 obere Hälfte: „fertig“ gespachtelt und geschliffene Oberfläche; unten: noch unebene Oberfläche durch die sogar noch der Formunterbau durch scheint

 

Handlaminieren und Vakuumverpressen

Vor Beginn des Laminierprozesses ist eine luftdichte Verbindung der Formhälften erforderlich. Zu diesem Zweck wird Vakuumdichtband zwischen die Formhälften geklebt und im Anschluss von oben mit Flashtape verklebt, um die Fuge luftdicht abzudichten. Im Anschluss wird an der oberen Randfläche Kreppband angebracht. Analog zum Formbau um zu gewährleisten das später keine Fasern die Luftdichtigkeit negativ beeinflussen. Im nächsten Schritt wird die zu laminierende Fläche nach zugehöriger Verarbeitungsinformation mit Trennmittel ein getrennt.

   
PHWT_010.jpg

Abbildung 10 Zum Laminieren vorbereitete Form, links: Kreppband zum abkleben der Fläche, auf der später das Vakuumdichtband aufgebklebt werden soll; Mitte: der mit Vakuumdichtband und Flashtape abgedichtete Verbindungsspalt

Im Anschluss an die vorbereitenden Maßnahmen erfolgt die Aufbringung einer Schicht Gelcoat (EP-Gelcoat + GL 1). Der Mischvorgang hat gemäß den Angaben im Datenblatt zu erfolgen; zudem ist eine zusätzliche Farbzugabe (Universal-Epoxid-Farbpaste, 10 % der Gesamtmasse von Harz und Härter) vorzunehmen. Des Weiteren ist es empfehlenswert, eine Testplatte mit dem Gelcoat zu bestreichen, um die Aushärtung zu überwachen (Fingerprobe). Es ist darauf zu achten, dass die Form vollständig in ausreichend großer Dicke mit Gelcoat bedeckt ist, sodass keine freien Stellen mehr sichtbar sind. Im Anschluss ist ein antrocknen der Gelcoat-Schicht erforderlich, bevor mit dem Laminieren begonnen werden kann. Die Verteilung des Gelcoats erfolgt mittels Pinsel oder Farbrolle. Ist das Harz für die senkrechten Bereiche der Form zu dünnflüssig, kann auch hier mit TM100 angedickt werden.

   
PHWT_011.jpg

Abbildung 11 Aufgetragener Gelcoat

Im Folgenden soll ein Laminat aus vier Lagen triaxialer Glasfasern erstellt werden, welches im Wechsel laminiert werden soll: zwei Lagen in 0 Grad sowie zwei Lagen in 90 Grad zur Fahrt-richtung des Bootes. Zunächst ist das Epoxidharz mit dem Härter (Harz L + GL2, wegen der Größe wird ausreichend Verarbeitungszeit benötigt) gemäß den Anweisungen des Herstellers exakt zu abzuwiegen und gründlich zu mischen. Das Harz kann für eine einheitlichere Optik ebenfalls durchfärbt werden. Tut man dies nicht, lassen sich im späteren Laminat eingefärbte Markierungsfäden, sowie selbst gesetzte Schnittmarkierungen erkennen. Im Anschluss wird eine Schicht Harz auf die vorbereitete Form aufgetragen, um eine gleichmäßige Basis zu schaffen. Im Anschluss werden die Glasfasermatten in Schichten mit Überlappung auf die mit Harz angefeuchtete Gelcoatschicht aufgelegt. Im Anschluss erfolgt die gleichmäßige Einarbei-tung des Harzes in die Glasfasermatten mit einem Pinsel, einer Farbrolle oder einer Walze, bis eine vollständige Durchtränkung der Fasern erreicht ist. Zur Beseitigung von Luftblasen wird ein vorsichtiger, gleichförmiger Druck mit einer Entlüftungsrolle auf die Oberfläche aus-geübt. Bei den nachfolgenden Lagen ist sicherzustellen, dass eine aus-reichende Menge an Harz auf der Oberfläche der vorherigen Schicht aufgebracht wird. Es ist zu beachten, dass sich in Radien und Ecken keine Spannungen im Gewebe bilden, da dies ansonsten zu Hohl-räumen führt. Zusätzlich ist das Glasfasergewebe ca. 15 cm über den Saum hinaus zu dra-pieren (trocken). Dieser Überhang wird später benötigt um GFK-Stäbe einzulaminieren. Diese Stangen dienen als Stabilisierung der Bordwand, also als Dollbord.

   
PHWT_012.jpg

Abbildung 12 links: Legen der ersten Lage (quer) auf den Gelcoat; rechts: ungefärbte dritte Lage(quer) mit deutlich zu erkennenden Markierungsfäden der ersten beiden Lagen (quer, längs)

   
PHWT_013.jpg

Abbildung 13 Einlaminieren des Verstärkungsstabs unter den Überhang

Im Anschluss erfolgt der Aufbau für das Vakuumverpressen in analoger Weise zum Aufbau des Vakuuminfusionsverfahrens. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Fließhilfe durch ein Vlies ersetzt wird. Es ist zu beachten, dass das Abreißgewebe möglichst eben aufliegt. Eine Faltenbildung kann zu einem Überlappen der Faserverstärkung über das Abreißgewebe führen, was eine spätere vollständige Entfernung des Abreißgewebes er-schwert. Es ist darauf zu achten, dass das Abreißgewebe, die Lochfolie, das Vlies und die Vakuumfolie möglichst rutschfrei und spannungsfrei drapiert werden. Eine "Brückenbildung" führt zu einer mangelhaften Verdichtung des GFK an dieser Stelle.

   
PHWT_014.jpg

Abbildung 14 Fehlerbild: Wegen Überlappen von Faserverstärkung über das Abreißgewebe nicht vollständig entfernbares Abreißgewebe, sowie vom Saum heruntergerutschte GFK-Stabverstärkung. Es wurde beim Vakuumziehiehen nicht ausreichend darauf geachtet, dass sich das Gewebe nicht verschiebt

Bei der unvorteilhaften Form des Kanus kann die Verdichtung des GFK durch das Einbringen kleiner Entlastungslaschen und großer Taschen in der Vakuumfolie verbessert werden. Die Taschen an Bug und Heck werden dann in die Form hinein gefaltet. Im Anschluss wird die Vakuumfolie mit Flashtape an den zuvor durch das Kreppband geschützten Bereichen der Form abgedichtet.

   
PHWT_015.jpg

Abbildung 15 Links: Entlastungsschlaufen; Rechts: Ins Boot gefaltete Tasche

Vakuumziehen erfolgt über 4 Anschlüsse unter denen jeweils ein ca. 10 cm x 10cm großes Stück Fließhilfe positioniert wird. Die Vakuumstutzen werden entlang der Längsachse des Kanus positioniert. Im Anschluss werden die Luftanschlüsse mit Schläuchen verbunden und zur Vakuumpumpe geführt. Zwischen dem Kanu und der Vakuumpumpe wird eine Harzfalle installiert, um ein Eindringen von Harz in die Pumpe zu verhindern. Das Vakuum wird für die Dauer des Aushärtens gehalten.

   
PHWT_016.jpg

Abbildung 16 Anschluss

 

Entformen und Nacharbeiten

Im Anschluss an den Laminierprozess sowie das Aushärten im Vakuum erfolgt die Entfernung der Vakuumschläuche, der Luftanschlüsse sowie der Vakuumfolie. Im darauffolgenden Schritt wird die Lochfolie gemeinsam mit dem Vlies vom Rest des Kanus abgelöst, wobei das Abreiß-gewebe zum Einsatz kommt. Das eigentliche Entformen erfolgt unter zu Hilfenahme von Keilen und Druckluft. Hierzu werden die Beiden Formhälften voneinander gelöst (alle Schrauben entfernen). Keile vorsichtig an der Oberkante der Form zwischen Boot und Form getrieben und anschließend mit Druckluft versucht das Boot anzuheben.

   
PHWT_017.jpg

Abbildung 17 Entformungskeile zwischen Form und Bootswand

Die Form ist im Anschluss mechanisch von Gelcoatresten sowie Flashtape und Vakuumdichtband zu säubern.

   
PHWT_018.jpg

Abbildung 18 Entformtes Boot mit gereinigter Form

Nach dem Ausformen lassen sich Fehlerbilder erkennen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Gewebe zu stark gespannt wurde. In der Folge bildet sich eine Luftblase zwischen dem Gewebe und dem Gelcoat. An diesen Stellen ist die Haftung nicht gegeben, sodass es zu einer Ablösung des Materials kommt. Eine nachträgliche Bearbeitung ist erforderlich. Hierzu ist das gesamte brüchige und lose Material zu entfernen. Im Anschluss kann das Aufbringung des Gelcoats erfolgen. Nach dem Aushärten kann eine einheitliche Oberfläche durch Schleifen und Polieren des Boots erzielt werden.

   
PHWT_019.jpg

Abbildung 19 Gelcoat-Abplatzer am Ausgeformten Boot

 

Bootsausbau

In Anlehnung an das Originalkanu erfolgt zunächst die Fertigung der vier Sitze. In einem ersten Schritt ist der entsprechende Rahmen zu konstruieren, welcher im Anschluss mit Gurtband bespannt wird. Anschließend werden die verwobenen Gurte fest getackert und die Schnittenden verschmolzen, um ein Ausfransen der Materialien zu verhindern.

   
PHWT_020.jpg

Abbildung 20 unbespannte und bespannte Sitzgestelle

Die Montage erfolgt mit Winkeln an der Bootswand. Zusätzlich können die Sitze mittig abgestützt werden.



Das PDF zum Download finden Sie hier