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Silikonformen selber machen – Schritt für Schritt Anleitung

Silikonformen selber machen ist die ideale Lösung für DIY-Projekte , Modellbau und die Herstellung von Kleinserien. Mit hochwertigem Silikon von R&G können Sie präzise Gießformen herstellen, die sich durch hohe Detailtreue, Flexibilität und Langlebigkeit auszeichnen.

Ob Negativform herstellen für Epoxidharz-Abgüsse, Beton oder Gips – Silikonform DIY ermöglicht die Reproduktion komplexer Formteile mit Hinterschneidungen. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie professionelle Silikonformen herstellen und das gewünschte Ergebnis für Ihre verschiedenen Materialien erzielen.

Silikon gießen - Do it yourself Formen bauen und Teile gießen (Part 1)

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Silikon gießen - Do it yourself Formen bauen und Teile gießen (Part 2)

 

Warum Silikonformen selber machen?

Was ist eine Silikonform?

Eine Silikonform ist eine flexible Gießform aus Silikon , die zur Reproduktion von Objekten verwendet wird. Man unterscheidet zwischen Positivform (das Original/Urmodell) und Negativform (die Abformung). Beim Silikon Negativform herstellen wird das Urmodell mit Silikon Gummi umgossen, sodass nach dem Aushärten lassen eine flexible Form entsteht, die das Original exakt wiedergibt.

Im Gegensatz zu starren Formen aus Kunststoff oder Metall ermöglichen Silikonformen die Entnahme von Objekten mit Hinterschneidungen – komplexe Geometrien, die sich bei starren Formen nicht entformen ließen. Die Flexibilität des hochwertigen Silikons erlaubt es, auch komplizierte Formteile ohne Beschädigung zu entnehmen.

Typische Einsatzbereiche für Silikonformen

Hochflexible Formen aus Silikonkautschuk erlauben die Reproduktion komplizierter Formteile mit Hinterschneidungen. Die hauptsächlichen Einsatzgebiete sind:

  • Modellbau: Reproduktion von Modellteilen, Architekturmodellen
  • Epoxidharz-Abgüsse: Schmuck, Deko-Objekte, River Tables
  • Beton und Gips: Reliefbilder, Möbelverzierungen, Reproduktionen in der Denkmalpflege
  • Kleinserien & Prototypen: Zierknöpfe, Puppenkörper, Dichtungsprofile
  • Kreative Anwendungen: Schmuckkerzen, Seifenformen, Wachsabgüsse

Urmodelle aus den üblichen Werkstoffen wie Holz, Metall, Kunststoff, Gips, Stein und Wachs sind für Abformungen mit Silikonkautschuk gut geeignet.

DIY oder professionelle Formenherstellung?

Silikonform DIY lohnt sich besonders, wenn Sie:

  • Individuelle, einzigartige Formen benötigen
  • Kleinserien oder Prototypen herstellen möchten
  • Kosten gegenüber Fertigformen sparen wollen
  • Volle Kontrolle über Formqualität und -größe haben möchten
  • Verschiedene Materialien und Formen gießen möchten

Vorteile gegenüber Fertigformen: Maßgeschneiderte Lösungen, keine Kompromisse bei Größe oder Form, Möglichkeit zur Anpassung und Optimierung.

Silikonformen selber machen - Bild 1
Silikonformen selber machen - Bild 2

 

Welches Material eignet sich für Silikonformen?

R&G bietet zwei Vernetzungssysteme für Silikonformen herstellen an:

Additionsvernetzendes Silikon

RTV-2 Silikone Additionsvernetzend (z.B. ADDV-10-EG GLASKLAR, oder ADDV-10 TRANSLUZENT)

Das wichtigste Merkmal der Additionsvernetzung ist ein platinhaltiger Katalysatorkomplex. Dieser steuert eine Vulkanisation ohne Freisetzung eines Spaltprodukts und damit schrumpffrei.

Eigenschaften:

  • Maßhaltigkeit: Sehr geringe Schrumpfungsrate (< 0,1 %)
  • Schrumpfungsarm: Kein Gewichtsverlust beim Aushärten
  • Hohe Detailtreue: Exzellente Wiedergabegenauigkeit
  • Schnelle Aushärtung: Beschleunigung durch Temperaturerhöhung möglich
  • Irreversible Vernetzung
  • Keine Freisetzung von Spaltprodukten
  • Ausgezeichnete Trenneigenschaften

Kondensationsvernetzendes Silikon

RTV-2 Silikone Kondensationsvernetzend (z.B. KDSV-10, KDSV-25, KDSV M 4470)

Bei der Kondensationsvernetzung wird die B-Komponente mit einem Anteil zwischen 2 % und 5 % der A-Komponente zugegeben. Bei der Vernetzung entsteht als Spaltprodukt eine flüchtige Alkoholverbindung, die zu einem leichten Volumenschrumpf führt.

Eigenschaften:

  • Wirtschaftlich: Günstiger als Additionssilikon
  • Für einfache Anwendungen: Ideal für unkritische Abformungen
  • Gute Fließfähigkeit: Einfache Verarbeitung
  • Keine Vulkanisationsstörung durch Inhibierungen
  • Vulkanisationsgeschwindigkeit einstellbar (Härtermenge/Härtertyp)
  • Exzellente Wiedergabegenauigkeit
  • Einfärbungen mit R&G Universal-Farbpasten möglich
  • Kurzfristig bis max. 200 °C einsetzbar (KDSV M 4470 bis 300 °C)

Hinweis: Eine Beschleunigung der Vernetzung durch Temperaturerhöhung ist nicht empfehlenswert. Das Vulkanisat darf erst nach vollständiger Verflüchtigung des Spaltproduktes thermisch belastet werden.

Wichtige Eigenschaften beim Formen-Silikon

Shore-Härte Eigenschaften Anwendung
Shore 0-20 Sehr weiche Silikone mit sehr hoher Flexibilität Formen mit ausgeprägten Hinterschneidungen
Shore 20-40 Mittelharte Silikone Gängigste Materialien für Abformungen mit Hinterschneidungen und guter Formstabilität
Shore 40-80 Harte Silikone Selbsttragende Formen, Vakuum-Gießharze, Rapid-Prototyping

Weitere wichtige Eigenschaften:

  • Viskosität: Bestimmt Fließfähigkeit und Detailwiedergabe
  • Reißfestigkeit: Wichtig für langlebige Formen
  • Entformbarkeit: Flexibilität für einfache Entnahme

Eine detaillierte Übersicht finden Sie in unserer Auswahlhilfe Silikone.

Materialien und Werkzeuge zum Herstellen einer Gießform

Silikon (Komponente A + B)

  • Mischungsverhältnis: Je nach Produkt 1:1 (Additionsvernetzend) oder 100:2-5 (Kondensationsvernetzend)
  • Topfzeit: Zeit zwischen Anmischen und Beginn der Aushärtung – variiert je nach Produkt (z.B. 20 Minuten bis 30 Minuten)

Formkasten und Abdichtung

  • Geeignete Materialien: Holz, Kunststoffplatten, LEGO-Steine, Karton (für einfache Formen)
  • Mindestwandstärke: Mind. 5-10 mm rund um das Urmodell
  • Abdichtung: Mit Silikon, Heißkleber oder Knete abdichten, um Auslaufen zu verhindern

Trennmittel richtig auswählen

Wann notwendig:

Alle R&G Silikone sind selbststrennend – es ist kein Trennmittel erforderlich . Bei porösen Urmodellen (Gips, unversiegeltes Holz) sollten diese jedoch vorab versiegelt werden.

Geeignete Trennsysteme (falls erforderlich):

  • Vaseline (dünn aufgetragen)
  • Spezielle Trennwachs-Produkte
  • Trennsprays

Weitere Informationen zu Trennmitteln & Lösemitteln finden Sie in unserem Sortiment.

Silikonformen selber machen – Schritt für Schritt Anleitung

Schritt 1 – Urmodell vorbereiten

  • Reinigen: Entfernen Sie Staub, Fett und Schmutz vom Urmodell. Saubere Oberflächen sind entscheidend für glatte Oberflächen der späteren Abgüsse.
  • Poröse Materialien versiegeln: Gips, unversiegeltes Holz oder Ton müssen mit Lack oder Versiegelung behandelt werden, um Lufteinschlüsse zu vermeiden.
  • Trennmittel auftragen (falls erforderlich): Bei R&G Silikonen normalerweise nicht nötig – alle Silikone sind selbststrennend.

Schritt 2 – Formkasten bauen

  • Dicht verschließen: Bauen Sie einen Formkasten um das Urmodell. Dichten Sie alle Fugen ab, damit Silikon selbst gießen ohne Auslaufen möglich ist.
  • Modell fixieren: Fixieren Sie das Urmodell am Boden des Formkastens (z.B. mit doppelseitigem Klebeband oder Heißkleber), damit es beim Gießen nicht aufschwimmt.
  • Wandstärken berücksichtigen: Planen Sie mind. 5-10 mm Silikonwandstärke rund um das Modell ein. Bei größeren Formen entsprechend mehr.

Schritt 3 – Silikon anmischen

  • Komponenten exakt abwiegen: Wiegen Sie Komponente A und B exakt nach Herstellerangabe ab. Präzision ist entscheidend für korrekte Aushärtung.
  • Langsam verrühren: Rühren Sie langsam und gleichmäßig, um Luftblasen zu vermeiden. Vermeiden Sie schnelles, schlagendes Rühren.
  • Luftblasen minimieren: Lassen Sie die Mischung 2-5 Minuten stehen, damit Luftblasen aufsteigen zu lassen. Bei professionellen Anwendungen kann eine Vakuumkammer verwendet werden.

Schritt 4 – Silikon gießen

  • Dünnen Vorlauf gießen: Gießen Sie zunächst eine dünne Schicht Silikon Gummi über das Urmodell, um Details zu erfassen und Luftblasen zu vermeiden.
  • Gleichmäßig eingießen: Gießen Sie das restliche Silikon in einem dünnen Strahl aus möglichst großer Höhe (ca. 30-50 cm). Dies hilft, Luftblasen zu entfernen.
  • Luftblasen vermeiden: Klopfen Sie leicht gegen den Formkasten oder verwenden Sie einen Zahnstocher, um Luftblasen an der Oberfläche zu entfernen.

Schritt 5 – Aushärten und entformen

  • Aushärtezeit beachten: Lassen Sie das Silikon vollständig aushärten . Je nach Produkt dauert dies 20 Minuten bis 24 Stunden bei Raumtemperatur. Additionsvernetzende Silikone können durch Wärmezufuhr beschleunigt werden (schnelle Aushärtung ).
  • Form vorsichtig öffnen: Entfernen Sie den Formkasten und entnehmen Sie das Urmodell vorsichtig. Die fertige Form ist nun einsatzbereit.
  • Nacharbeiten: Entfernen Sie ggf. überschüssiges Silikon oder Grate mit einem scharfen Messer.

Mehrteilige Gießformen aus Silikon herstellen

Wann ist eine zweiteilige Form notwendig?

  • Hinterschnitte: Bei Objekten mit starken Hinterschneidungen oder komplexen Geometrien ist eine mehrteilige Form erforderlich.
  • Komplexe Geometrien: Wenn das Objekt nicht in einer Richtung entformt werden kann, benötigen Sie eine geteilte Form.

Trennebene und Passstifte planen

  • Saubere Formteilung: Planen Sie die Trennebene so, dass beide Formhälften einfach zu entformen sind.
  • Wiederholgenauigkeit: Verwenden Sie Passstifte oder Aussparungen, um beide Formhälften exakt zu positionieren und Formen gießen mit hoher Präzision zu ermöglichen.

Häufige Fehler beim Herstellen von Silikonformen

Luftblasen im Silikon

  • Ursache: Zu schnelles Rühren, zu schnelles Gießen
  • Lösung: Langsam rühren, Mischung stehen lassen, aus größerer Höhe gießen, ggf. Vakuumkammer verwenden

Falsches Mischungsverhältnis

  • Ursache: Ungenaues Abwiegen
  • Lösung: Präzisionswaage verwenden, Herstellerangaben exakt befolgen

Zu dünne Formwände

  • Ursache: Zu wenig Material eingeplant
  • Lösung: Mindestens 5-10 mm Wandstärke einplanen, bei großen Formen entsprechend mehr

Vernetzungshemmung bei Additionssilikon

  • Ursache: Kontakt mit bestimmten Materialien (Schwefel, Amine, Latex, manche Kunststoffe)
  • Lösung: Urmodell versiegeln, saubere Werkzeuge verwenden, bei Unsicherheit Testabformung durchführen

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Silikonformen

Wie stelle ich eine Silikonform her?

Urmodell vorbereiten, Formkasten bauen, Silikon-Komponenten A und B exakt abwiegen und mischen, gleichmäßig gießen, aushärten lassen (je nach Produkt 20-30 Minuten bis 24h), entformen. Eine detaillierte Schritt für Schritt Anleitung finden Sie oben.

Welches Material für Silikonformen?

Verwenden Sie RTV-2 Silikone. Additionsvernetzende Silikone (ADDV-25, ADDV-42) sind schrumpfarm und maßhaltig. Kondensationsvernetzende Silikone (KDSV-10, KDSV-25) sind wirtschaftlicher. Die Wahl hängt von Shore-Härte und Anwendung ab. Siehe Auswahlhilfe Silikone.

Was kann man als Trennmittel für Silikon verwenden?

Alle R&G Silikone sind selbsttrennendkein Trennmittel erforderlich. Bei porösen Urmodellen (Gips, Holz) diese vorab versiegeln. Falls gewünscht: dünn aufgetragene Vaseline oder spezielle Trennmittelprodukte.

Kann man aus 100% Silikon eine Form herstellen?

Nein, für professionelle Gießformen benötigen Sie ein 2-Komponenten-System (RTV-2). Erst durch Mischen von Komponente A und B startet die Vernetzung. 1-Komponenten-Silikone (Sanitärsilikon) eignen sich nicht für Formenbau.